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111 Jahre Tradition zu kaufen

13.12.2010 | Keine Kommentare

Mehr als ein Jahrhundert lang kam der stolze FC Barcelona ohne Sponsor auf seinem Trikot aus, doch nun kam es unter dem neuen Präsidenten Sandro Rosell zu einem großen Tabubruch.

Als der ehemalige Präsident Joan Laporta im Jahr 2006 den Deal mit UNICEF verkündete, sendete er einen Brief an die Mitglieder des Vereins aus, in dem er ihnen diesen Schritt genauestens erklärte. Man konnte den Stolz des Präsidenten in jeder einzelnen Zeile lesen und es wurde mehrfach betont, dass der FC Barcelona „mehr als nur ein Verein ist“, der sich auf Grund seiner einzigartigen Stellung nicht an die sonst üblichen wirtschaftlichen Zwänge halten muss. Anstatt Geld von einem Sponsor für Trikotwerbung zu bekommen, schenkte der FC Barcelona dem Kinderhilfswerk UNICEF den wohl begehrtesten Werbeplatz in der Welt des Fußballs UND spendete weiters pro Jahr 1.5 Millionen an diese Organisation. Laporta gab zu, dass im Jahr 2003 die Verantwortlichen vom Verein auf Grund der wirtschaftlichen Lage beauftragt wurden, Verhandlungen mit möglichen Trikotsponsoren aufzunehmen. Da sich aber in den Folgejahren die wirtschaftliche Situation verbesserte, wurden diese Pläne über Bord geworfen und stattdessen das Projekt mit der UNICEF gestartet. Laporta betonte, dass sich der FC Barcelona für Demokratie und Freiheit einsetzt und weltweit als unabhängiger Botschafter des Sports auftritt.

Der große Tabubruch

Der Deal mit der Qatar Foundation, der wohl auch mit der Weltmeisterschafts-Vergabe 2022 zusammenhängt, ist nicht mit dem Unicef-Sponsoring aus dem Jahr 2006 zu vergleichen. Zwar handelt es sich auch um eine Non-Profit-Organisation, aber diesmal fließen die Gelder in die andere Richtung, denn Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, der Gründer der Qatar Foundation, dem übrigens auch seit Juni 2010 der FC Málaga gehört, wird pro Saison rund 30 Millionen Euro an die Katalanen überweisen. Sandro Rosell begründet diesen Schritt damit, dass es trotz der sportlichen Erfolge Probleme im wirtschaftlichen Sektor gebe. Der große Teil der etwa 175.000 Mitglieder ist empört und viele „Socios“ schrieben im Internet, dass sie ihre Mitgliedschaft nur deshalb behalten, um bei der nächsten Wahl Sandro Rosell wieder abzuwählen.

Ist der Deal WIRKLICH notwendig?

Die meisten Mitglieder fragen sich, ob man die zusätzlichen 30 Millionen pro Jahr wirklich braucht, wenn man gleichzeitig ein offizielles Transferbudget von 50 Millionen pro Jahr hat. Viele Fans des FC Barcelona würden lieber noch stärker ihrem großartigen Nachwuchs vertrauen und meinen, dass der Verein bei dieser Jugendarbeit eigentlich kaum weitere Spieler kaufen muss. Immerhin standen im Champions-League-Finale 2009 gegen Manchester United sieben Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Startaufstellung. Eine Quote, von der andere Spitzenvereine nur träumen können. Zum Abschluss möchte ich ein langjähriges Mitglied des Vereins zu Wort kommen lassen, das an diese Überlegungen anknüpft: „We don’t even need to buy that many players. We can do it ourselves. Until now. Now, we are available to the highest bidder. If the club says: “Well, it’s the right sponsor, you know,” it is like a whore saying: “I don’t do business with bad men.” It makes you no less of a whore.“

© Stefan Karger – Austrian Soccer Board

LINKS:
Austrian Soccer Board - http://www.austriansoccerboard.at/

Forum: Fußball in Spanien - http://www.austriansoccerboard.at/index.php/forum/21-fussball-in-spanien/

Trikotsponsor für den FC Barcelona - http://www.austriansoccerboard.at/index.php/topic/79787-trikotsponsor-fr-den-fc-barcelona/

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