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Birmingham - ein Erlebnisbericht: Teil 2

30.08.2010 | Keine Kommentare

Vor dem “Figure of Eight” trafen wir schließlich die beiden Cambridge-Jungs wieder. Tom und Alix waren bereits ciderfiziert, genossen die Schlachtgesänge und die friedliche, wie laute Atmosphäre. Mit ein bisschen Polizeischutz und erhöhter Pubsecurity mussten wir uns zwar abfinden, das tat der guten und euphorischen Stimmung aber eindeutig keinen Abbruch. Zu sehr wollte jeder beweisen, dass die großartige Fan Performance des letzten Jahres nicht einfach nur ein guter Tag war, sondern dass Rapid noch einmal zu einer solchen Leistung, auf den Rängen und auf dem Platz, fähig war.

Vor dem Pub Stimmung machend lernten wir schließlich noch einige weitere ASB-User kennen. Es sind eben diese kultigen, unerwarteten Begegnungen: Man weiß, dass da ein Haufen Boardkollegen sein müssen, aber man trifft sich im Endeffekt zufällig, so auch meine späteren Stadionnachbarn stiffl0r und Großfeld, mit denen wir uns gleich bestens unterhielten. Ein leicht illuminierter Schoki erklärte mir beim Pint-Holen schließlich, dass er schon seit 11 Uhr Vormittags hier ist und alle Cider-Sorten des Pubs durchkostete. Cheers! Wie ich per SMS vom User tomstig erfuhr fans die Parallelveranstaltung der vorglühenden Rapid-Anhänger im “The Old Contemptibles” statt. Aber wir genossen unsere letzten Stunden vor dem Spiel im “Figure of Eight” - mittendrin übrigens auch Aston-Villa-Fan Guy, dem vielleicht nicht immer ganz wohl war, der aber die Plauscherl mit den mitgereisten ebenso genoss wie die anderen Individualreisenden und ich. Zudem fühlte man einmal mehr überall die Unterstützung der englischen Bevölkerung: Sowohl Barkeeper als auch Securitymann waren sich nicht zu schade, sich geduldig die Stories des letzten Jahres anzuhören. Klar - immerhin waren die beiden Anhänger des Stadtrivalen Birmingham City und wünschten uns von ganzem Herzen, dass wir den “Villa Scum” auch heuer ausschalten sollten.

Schließlich ging es ab zu den Bussen, in einem Mob über die Broad Street, vorne und hinten abgesperrt durch die englischen Bobbies, die leider nicht so lustig drauf waren, wie sie aussahen. Nachdem sich Elwood mit der dicken Spiegelreflexkamera über eine Gehsteigkante an den Polizisten vorbeischmuggelte, um Fotos zu machen und ich selbiges versuchte, indem ich am Ende des Mobs einfach mitten durch die Sicherheitsleute spazieren wollte, wurde ich gleichmal weitergestoßen. Auf meine Bitte, mich doch einfach zu meinem Kollegen durchzulassen, reagierten die Polizisten mit noch mehr Drängelei und als ich ihnen versicherte, dass ich “calm” bin und sie deswegen nicht handgreiflich werden müssen, wurde mir gleich mal Arrest angeboten. Gut, mit solchen Flaschen brauchen wir nicht groß weiterdiskutieren, also folgte ich wieder brav dem Mob, dessen Mitglieder vom anstrengenden Pintstemmen im “Figure of Eight” immer wieder pinkeln musste, was die Bobbies im hübschen englischen Rasen nicht zuließen und die Notdürftigen ebenfalls weiterdrängelten, was die leicht Angeheiterten natürlich zu einer wandelnden “Wasser”-Schlacht umfunktionierte. Nicht nur wir wurden von der Polizei maltrediert, auch einer unserer Mitfahrer, Wolfgang, 50+, wollte die Sache mit dem Mobmarsch langsam angehen lassen. Er war jedoch über die Schubser der Polizisten ebenfalls nicht ganz begeistert und begegnete ihnen mit einem herzlichen “greif mi net au, du Voikoffa!!”. Nach einem neuerlichen Arrestangebot und weiteren zutiefst österreichischen Flüchen, schafften es aber er, wie auch alle anderen, zu den Bussen. Ab zum Villa Park!

Über eine Stunde vor Spielbeginn waren wir allesamt im Stadion und machten erstmals Stimmung. Die Choreo-Utensilien wurden verteilt, jeder hatte doch noch seinen Platz bzw. seine Partie im engen Sektor gefunden, der an vorderster Front im Gegensatz zum letzten Jahr mit einem Netz bespannt und somit unbegehbar gemacht wurde, damit sich gefährliche Situationen, wie man sie im Vorjahr durchaus sah, nicht mehr vorkommen können. Zur Information: Als Jelavic letztes Jahr das 1:2 erzielte war der Jubel der Rapid-Anhänger so überschwänglich, dass einige Fans fast vom zweiten Rang stürzten. Als das Spiel begann war jedem klar, welche Stunde geschlagen hatte. VOn Anfang an war der Support ähnlich enthusiastisch wie letztes Jahr, vielleicht sogar noch intensiver, zumal wir knapp 300 Leute weniger waren als 2009. Links von mir stand Alix, hinter mit Tom: Die beiden Cambridge-United-Supporter konnten zwar nicht deutsch, supporteten aber von der ersten bis zur letzten Minute mit. Später erzählten sie mir, dass der Funke, der “Spirit” den Rapid verkörpert, einfach übersprang und sie sich bei den Treffern freuten, als hätte ihre eigene Truppe genetzt. Das kann ich auch nur bestätigen, die beiden “went fucking mental”, wenn Rapid traf oder auch nicht traf. Ich drehte mich während der 90 Minuten gut 30mal zu Tom um, um seine Reaktionen zu beobachten. Sein Gesichtsausdruck war immer derselbe: Grinsend bis zu den Ohren. Auf meine Halbzeitfrage, wie ihm der Support gefallen würde, meinte er schlicht “fantastic” und “I’ve never seen anything like this before”.

Die erste Halbzeit verlief noch ohne die großen Höhepunkte, den Gegentreffer von Gabby Agbonlahor steckte unser Sektor sehr gut weg, die Mannschaft wurde sofort weiter nach vorne getrieben. In der Halbzeit waren wir uns einig, dass sich einiges ändern müsse, no na. Und schließlich wurden wir für unsere Arbeit auf der Tribüne belohnt: Der Abwehrfehler von Habib Beye führte zu einer Maßflanke von Veli Kavlak auf Atdhe Nuhiu, der den Ball mit einem - wie es die englischen Zeitungen am nächsten Tag schrieben - “Rocket Header” in den Maschen unterbrachte. Der Sektor flippte erstmals total aus, zumal auch der Zeitpunkt des Tores, kurz nach einem gefährlichen Solo von Marc Albrighton eher unerwartet kam. Etwas später überschlugen sich die Ereignisse: Ein Elfmeter nach Foul an Ashley Young wurde nicht gegeben, das nächste Gerangel Sonnleitner-Heskey bestrafte der maltesische Schiedsrichter allerdings mit einem Strafstoß für Aston Villa. Als Raimund Hedl mit aller Wut den Schuss von Petrov hielt und Heskey den darauffolgenden Sitzer kunstvoll über das Tor setzte, drehte ich mich zu Elwood um, der gar nichts sagen musste. Ich hab an seinem Blick gesehen, was er dachte, nämlich, dass Villa mit dieser Aktion gebrochen sein würde. Jetzt hatten wir sie in der Hand. Das war auch meine Sicht der Dinge, aber ich glaubte auch nach dem gehaltenen Elfmeter nicht an eine Verlängerung - hier würde bestimmt noch etwas passieren.

Den ganzen Artikel findest du bereits heute in Österreichs größtem Fußballforum. Der dritte Teil der Story kommt morgen.

(c) Dannyo - austriansoccerboard.at

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