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Birmingham - ein Erlebnisbericht: Teil 1

30.08.2010 | Keine Kommentare

Der Moment als die User Elwood und Parazitu mich Mittwochs um 5:15 Uhr von der Albert-Schulz-Halle abholten, um mich zum Flughafen mitzunehmen hatte eine ganz seltsame Dynamik. Keiner von uns schlief in der vorherigen Nacht mehr als eine Stunde, mehr als das einstündige Nickerchen im Flieger von Wien nach Zürich war auch für den Rest des Tages nicht drin. Aber irgendwie wussten wir, dass die drei Tage in England etwas Unerwartetes mit sich bringen könnten.

Die zweite Reise nach Birmingham innerhalb von 53 Wochen war das beste Beispiel dafür, dass man eine Europacup-Auswärtsfahrt nie abblasen sollte, nur weil man ein Jahr zuvor schonmal dort war. Nach einem vierstündigen Zwischenstopp in Zürich, inklusive sündteurem Kaffee und netter, kleiner Stadtbesichtigung, saßen wir um die Mittagszeit endlich im Flugzeug nach Birmingham, nachdem wir am Flughafen noch einigen Young Boys Bern Fans Glück für das bevorstehende Rückspiel bei den Tottenham Hotspurs wünschten (das die Schweizer dann aber mit 0:4 verloren). In der zweitgrößten Stadt Englands angekommen, trafen wir auf unseren dritten Mitreisenden: Guy aus Northampton, seines Zeichens Villa-Fan, war mir sofort sympathisch und sollte uns im Laufe der England-Reise auch noch eine Menge Gaude bereiten. Zu viert ging’s schließlich ins Paragon Hotel, wo wir mit Markus (ASB “Ramirez”) und Martin zwei weitere Gleichgesinnte trafen. Kurz frisch machen, Sachen ins Zimmer schmeißen und die erste Pubtour konnte beginnen!

Unsere erste Station, Mittwochs gegen 15 Uhr, war das scheinbar zweitälteste Pub Birminghams, “The Old Contemptibles”, das den Mitfahrern vom letzten Jahr sicher noch ein Begriff ist. In angenehmer Atmosphäre wurden die ersten Carlings und Strongbows gezwitschert und der erste Fisch kam inklusive der obligatorischen Chips auf den Teller. Wir mussten nach der langen Reise und der kurzen Nacht wieder zu Kräften kommen, schließlich stand hoher Besuch an. Zunächst gesellte sich Tom aus Cambridge zu uns. Tom glänzte letzte Saison mit einer “Perfect Season”, also dem Besuch aller 42 Ligaspiele seines Herzensklubs Cambridge United, das in Englands fünfter Spielklasse, der National Conference zu Hause ist. Er sah den Auftritt der Rapid-Fans vergangenes Jahr von der Hintertortribüne des Villa Parks und empfand die Support Performance dermaßen inspirierend, dass er einen langen Lobpreisungsartikel für die mitgereisten Wiener verfasste. Ich lernte Tom vergangenen Dezember kennen, als wir nach dem Europa-League-Gruppenspiel zwischen Rapid und Celtic Glasgow (3:3) noch einige Drinks hoben. Gemeinsam mit seinem Freund Alix, ebenfalls ein glühender Cambridge-United-Fan und seines Zeichens Maskottchen des Klubs (Alix trägt bei Heimspielen ein Elchkostüm und mimt “Marvin Moose”) verbrachten wir eine tolle, flüssige Nacht in Wien. Alix kündigte sich für den Matchtag an. Beide Cambridge-Jungs kreuzten mit Rapid-Fanutensilien auf und hatten bereits ihre Tickets für den Rapid-Sektor. Für Tom und Alix sollte es das zweite Spiel binnen drei Tagen werden: Erst am Dienstag waren die beiden für Cambridge unterwegs, holten bei Tamworth nur ein 1:1.

Besonders freuten wir uns jedoch auf unser Treffen mit Andi Weimann, der etwa eine halbe Stunde nach uns ins “The Old Contemptibles” kam. Mit kurzem Leiberl, Flipflops und Krücken machte Andi es sich so bequem wie möglich, doch der extrem angeschwollene Knöchel, der bis dato auch noch keine exakte Untersuchung zuließ, machte ihm sichtlich zu schaffen. Andi, der in Birmingham bei einer sehr netten Gastfamilie untergebracht ist, erzählte uns über seine Zeit im Aston Villa Reserve-Team, großen Erfolgen unter Coach Kevin MacDonald und wie er den unglücklichen Zweikampf mit Veli Kavlak erlebte. Weimann ist auf jeden Fall einer der Kicker, die trotz Vertrags bei einem Premier-League-Klub und ersten Einsätzen in der Kampfmannschaft auf dem Boden blieben. Eben ganz normal, sympathisch, sich nicht zu schade mit uns einige Stunden im Pub zu verbringen, obwohl der Knöchel schmerzte und ständig hochgelagert werden musste. An dieser Stelle danke dafür, Andi! Zum Abschlusstraining konnte er uns dann nicht mehr begleiten, dieses war aber ohnehin unspektakulär. Zuvor erzählte Andi uns von der manchmal aufblitzenden Genialität eines John Carew, der Möglichkeit eines Leihgeschäfts, etwa mit Walsall, der als einer Satellitenklubs von Aston Villa gilt und er brach eine Lanze für Atdhe Nuhiu, der zwar meist schwammig aussieht, aber immer und überall seine Tore macht.

Was folgte war ein feuchtfröhlicher Abend im “Figure of Eight”, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht sonderlich grün eingefärbt war, was sich am nächsten Tag jedoch ändern sollte. Und an eben diesem nächsten Tag, Matchtag, Donnerstag, ging es zunächst auf ein gemütliches Frühstück in den “Bullring”, das Einkaufszentrum Birminghams. Die Indoor-Flaniermeilen waren mittlerweile schon ziemlich grün und die Vorfreude stieg nach dem ersten Kaffee und einem Haufen Wasser, um den Brand vom Vortag zu löschen, ins Unermessliche. Der erste größere Treffpunkt auf der Broad Street - Birminghams Ausgehstraße - war schließlich das gemütliche “The Brasshouse”. Zunächst ein bisschen Fachsimpeln und Insiderinfos mit den Jungs der OMS, allesamt mit einheitlichem Dresscode ausgestattet und per Tagesflug nach Birmingham angereist, danach die ersten Pints und ein guter Grillteller und gegen 15 Uhr wurden einige der Fans schließlich nervös. Bei den Rauchpausen vor dem Pub hörte man vom anderen Ende der Broad Street bereits erste Sprechchöre, offensichtlich in deutscher Sprache. Es war eindeutig Zeit weiter zu ziehen, mit den anderen Jungs und Mädls in und vor dem gesteckt gefüllten “Figure of Eight” Präsenz zu zeigen. Also zogen wir weiter.

Den zweiten Teil des Erlebnisberichts gibt’s morgen, den gesamten Bericht gibt es bereits im Austrian Soccer Board, genauer hier.

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