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Nationalteam wie ein Autounfall

12.08.2010 | Keine Kommentare

Die österreichische Nationalmannschaft verlor ihr letztes Länderspiel vor der EM-Qualifikation gegen die Schweiz mit 0:1. Die Art und Weise wie diese Niederlage zu Stande kam und wie sie aufgearbeitet wird, ist wieder einmal typisch für unser schönes Heimatland.

Beinahe nach jedem Länderspiel habe ich ein Déjà-vu-Erlebnis! Mir kommt es nämlich so vor, als hätte ich die Interviews vom Teamchef und den Nationalspielern schon einige Male genau in demselben Wortlaut gehört. Mich dünkt, dass schon bei den letzten Auftritten erwähnt wurde, dass sich die Mannschaft gar nicht so schlecht präsentiert hat, dass die Laufbereitschaft gestimmt hat und dass die Partie anders ausgegangen wäre, wenn nur Fuchs/Scharner den Elfer verwandelt hätte. Das Problem ist aber, dass es nicht reicht, wenn sich die Mannschaft gar nicht so schlecht präsentiert. Die Zuschauer wollen endlich wieder eine österreichische Auswahl sehen, die mitreißen kann, die unberechenbar und kreativ ist und den internationalen Ansprüchen genügt. Bevor das aber passiert, bekommt eher Robert Mugabe den Friedensnobelpreis.

Ein System, das so nicht funktionieren kann

Beide Mannschaften mussten auf einige Stammkräfte verzichten, wobei insbesondere die Schweizer auf viele junge und neue Spieler zurückgreifen mussten. Ottmar Hitzfeld hatte drei Debütanten und sechs U21-Spieler in seiner Mannschaft, die dennoch in der ersten Halbzeit den Gegner fest im Griff hielt. Beide Trainer griffen auf ein 4-2-3-1 System zurück, dennoch hatten die Schweizer in den ersten 45 Minuten ständig ein Übergewicht im Mittelfeld und ließen die Heimmannschaft nicht in das Spiel kommen. So gut wie alle österreichischen Vorstöße kamen über die Seiten, was auch darauf zurückzuführen ist, dass die defensiven Mittelfeldspieler Baumgartlinger und Schiemer nur wenig für den eigenen Spielaufbau zu Stande brachten. Symptomatisch für die spielerische Bankrotterklärung waren die Flanken auf Kopfballungeheuer Jimmy Hoffer, der vorne auch ansonsten meist alleine auf verlorenem Posten stand. Wenn man ein 4-2-3-1 System spielt, versucht man ein Übergewicht im Mittelfeld zu erzeugen, man versucht durch Kurzpassspiel Kontrolle über das Spiel und einen hohen Ballbesitz zu bekommen. Nichts davon ist der österreichischen Nationalmannschaft gelungen.

Mehr Schwung in der zweiten Hälfte

Durch die Einwechslungen von Harnik und Korkmaz wurde es besser, insbesondere weil Harnik als Solospitze besser geeignet ist, als Jimmy Hoffer, der einen zweiten Stürmer neben sich braucht. Diese Erkenntnis hatten die Fans auf www.austriansoccerboard.at allerdings schon vor dem Anpfiff, denn selbst richtige Hoffer-Fans kritisierten seine Nominierung als Solospitze. Martin Harnik antizipierte Laufwege und Pässe der Verteidiger und setzte sie mit gutem Pressing und seiner Schnelligkeit unter Druck. Korkmaz, der sich zwar nicht in Höchstform befindet, bringt immerhin ein wenig von der oben geforderten Unberechenbarkeit in das Spiel der Österreicher. Der Elfmeter war natürlich ein Geschenk, der Schuss von Fuchs ebenso. Im Endeffekt darf man als österreichischer Fan froh sein, dass wir uns nicht mit dem Unentschieden über die Zeit geschummelt haben, denn die Heimniederlage gegen die Schweizer B-Elf sollte uns doch zu denken geben. In Wirklichkeit ist es aber egal, denn solange wir nicht in ein Debakel schlittern, wird es immer heißen, dass wir ganz brav gespielt haben und durchaus auch die Partie gewinnen hätten können. Man darf sich zwar auch gegen eine ersatzgeschwächte Schweizer Mannschaft keinen Sieg erwarten, aber die Art und Weise wie man verliert und wie man diese Niederlage aufarbeitet kotzt mich schön langsam an. Ein Benutzer aus dem Austrian Soccer Board schrieb nach der Partie: „Das Nationalteam ist wie ein Autounfall. Grauslich, aber alle schauen dennoch hin.“

© Stefan Karger – Austrian Soccer Board

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Nachbesprechung Österreich – Schweiz

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