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Unverhoffte Verstärkungen und der Jubel des P.

09.08.2010 | Keine Kommentare

Vor nicht mal zwei Wochen herrschte in Wien-Hütteldorf noch Weltuntergangsstimmung, aber zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, ist gerade in einem starken Mitgliederverein, wie der SK Rapid einer ist, ein sehr schmaler Grat. Drei Spiele oder neun Punkte später hat Hütteldorf seine geliebte Aufbruchstimmung wieder.

Diese besonderen Tore gegen Salzburg, Beroe und Sturm - selten zuvor zeigte Rapid-Coach Peter Pacult in aufeinanderfolgenden Spielen so viel Emotion. Jubelsprünge, geballte Fäuste und sogar humorvolle Lockerheit im Sky-Interview, in dem er gestern Steffen Hofmanns Pass vor Rapids 2:0 lobte und sein Lob mit “und auch ein guter Querpass vom pfeilschnellen Andi Dober” - wissentlich, dass der zum Mittelfeldspieler umfunktionierte Verteidiger eher einer der Dauerjogger im Kader ist - fortsetzte. So entspannt hat man Pacult schon lange nicht mehr gesehen - und das hat auch seine Gründe. Nach dem verpatzten Saisonauftakt inklusive eines katastrophalen, wenn auch siegreichen Heimauftritts gegen Suduva Marijampole, war Pacult nicht nur im Kreuzfeuer der Kritik, sondern laut einigen Insidern auch schon angezählt. Pacult sah seinen Trainerjob womöglich bereits an einem seidenen Faden hängen, hatte mit einer der schwersten Situationen seiner Trainerlaufbahn zu kämpfen, blieb jedoch gewohnt konsequent und meisterte die Krise mit Bravour. Ganz ohne mit Journalisten anzuecken oder Unruhe ins Team zu bringen. Sondern einfach nur mit Ruhe und Geduld, was anfänglich einige Fans nicht verstehen wollten, jetzt jedoch vom unkonventionellen Peter eines Besseren belehrt worden. Pacults neugefundene Jubel-Affinität ist wohl einerseits mental befreiend, andererseits auch ein bisschen Belohnung an sich selbst. Nachdem der “Pädagoge” Pacult in den Augen vieler Fans nicht vorhanden ist, zeigte sich das seltene Alter Ego des mürrischen Fußballlehrers genau dann, als es gebraucht wurde. Das macht vielleicht noch keinen guten Trainer aus, aber es spricht durchaus für Pacults “Gefühl”, das er sich selbst gerne zuspricht.

Saurer antwortet mit Leistungen

Aber auch auf dem Spielfeld passierten in den letzten neun Tagen unerwartete Dinge: Christoph Saurer zeigte, dass er mehr ist, als nur eine Kaderergänzung, die gemeinsam mit anderen das große Loch stopfen soll, das Branko Boskovic hinterließ. Saurer besticht durch feine Technik, Ruhe im Spielaufbau und nicht zuletzt durch ein Tor und ein Assist in den letzten zwei Ligaspielen. Auch die Entlastung, die Saurer Steffen Hofmann beschert ist nicht zu unterschätzen, denn nur wenn die Nebenspieler technische Qualität und Spielintelligenz besitzen, wie sie Saurer bereits bei seinen ersten Auftritten im Rapid-Dress zeigte, ist der Kapitän zu solch großartigen Leistungen fähig, wie beim 2:1 über Red Bull Salzburg.

Hinum als neuer Kilometerfresser

Ein weiteres wertvolles Mosaik im neuen Rapid-Team, bei dem gegen Sturm Graz immerhin acht Österreicher in der Startelf standen (was in den letzten zwei Jahren auch nicht immer selbstverständlich war), ist auch der neue Mittelfeldmotor Thomas Hinum. Von Absteiger Austria Kärnten nach Hütteldorf gekommen, galt er in Fankreisen als “billige Lösung” oder gar “Notnagel”. Nur ist es leider tief in der österreichischen Mentalität verwurzelt, dass man den heimischen Top-Talenten nicht immer gleich Großes zutraut. Ich bin davon überzeugt, dass die Fanmeinungen ganz andere gewesen wären, wäre Hinum kein 23jähriger Österreicher, der sämtliche Nachwuchs-Nationalteams durchlief, sondern zum Beispiel ein 23jähriger Kroate, der in seinem selbiges vollbrachte. Da wäre gleich von mehr Talent die Rede gewesen - aber manchmal liegt das Gute ganz nah und Hinum zeigt mit Athletik, Ballsicherheit und keiner Scheu vor Zweikämpfen oder schmerzenden Laufduellen, dass auch unsere heimischen Talente kicken können. Vorallem für die läuferische Übermacht im Rapid-Mittelfeld, aber auch für einen geordneten Spielaufbau, den etwa Yasin Pehlivan nicht immer fehlerfrei bewerkstelligen konnte, ist und wird Hinum zu einem wichtigen Bindeglied im Rapid-Spiel werden. Ganz abgesehen davon, dass auch der von Heimweh geplagte Markus Heikkinen neben Hinum wieder aufzublühen scheint: Nach einem “Rollercoaster-Jahr” spielte der Finne zuletzt wieder Top-Partien, glänzte vorallem beim 2:0 in Graz.

Jelavic - Traumvertrag in Glasgow

Es könnte alles so schön sein, im grünen Teil Wiens. Wäre da nicht das Transfergeplänkel rund um Nikica Jelavic. Der wohl kompletteste Rapid-Stürmer seit zwanzig Jahren wird von den Glasgow Rangers umworben, darf sich aus rein logischen Gründen den Traumvertrag in der schottischen Fußballhochburg nicht entgehen lassen. Als Ersatzmann Nummer Eins wird oft der vereinslose Klemen Lavric, letzte Saison solider Torjäger des SK Sturm, abgedruckt. Doch Rapid war hinter den Kulissen fleißig, fand auch Stürmeralternativen in Kroatien, Dänemark oder Israel. Spannung ist gegen Ende des Sommertransferfensters jedenfalls garantiert, auch wenn diese Spannung nicht nur lachende Augen zurücklassen wird.

(c) Dannyo - www.austriansoccerboard.at

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