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Red Bull Salzburg und die Sache mit der Seele

21.07.2010 | Keine Kommentare

Seelenlos, lustlos, herzlos. Die Fans im Austrian Soccer Board fanden für den Auftritt des FC Salzburg, wie der Klub im Europacup genannt zu werden hat, auf den Färöer-Inseln diverse Ausdrücke, die die miserable Einstellung der kickenden Millionäre verdeutlichen sollen. Ich bin aber der Meinung, dass der Auftritt der “Bullen” auf den Schafsinseln von vorne bis hinten einfach dumm war.

Huub Stevens wollte nach dem 5:0 aus dem Hinspiel einigen Reservisten oder jungen Hoffnungsträgern die Chance geben, sich zu beweisen. Wohlgemerkt in Torshavn, gegen eine bessere Wirtshaustruppe. Wir reden hier von einem Spiel, in dem sich nicht nur die vier ins Team gerutschten Reservisten Walke, Dudic, Cziommer und Hierländer als Vollprofis und gute Fußballer zu präsentieren haben, sondern auch alle anderen Spieler, die in dieser für den Koeffizienten des Landes und des Klubs wichtigen Partie auf dem Platz standen. Was Salzburgs Kicker auf den Färöer-Inseln veranstalteten war eine einzige Sauerei und dumm obendrein. Denn nicht nur, dass das 0:1 einen schweren Imageverlust für die Mannschaft (das beworbene Produkt, das mit dem Fußball nichts zu tun haben sollte, sei jetzt mal aus Prinzip ausgeklammert) bedeutet, obendrein läuft der FC Salzburg Gefahr, dass die verpassten Punkte für die Fünfjahreswertung zu einer schlechteren Setzung im Laufe der folgenden Jahre führen können. Und wenn man dann in den Playoffs, der letzten Hürde vor der Champions League Gruppenphase, eines Tages einen Kracher statt eines “machbaren Gegners” bekommt, wird man sich in Salzburg an die lächerlichen 90 Minuten in Torshavn erinnern.

Kein Boss im Team

Die Spieler des österreichischen Meisters hätten vermutlich eine gemütlichere Woche haben können. Aber nach der Blamage im hohen Norden wird auch Huub Stevens diese Woche gehörig auf den Putz hauen. Die Versager der Torshavn-Partie, die sich in diesem vermeintlich leichten Spiel als ernstzunehmende Alternativen präsentieren hätten sollen, werden in den nächsten Wochen keinen besonders hohen Stand in der Kaderhierarchie der Salzburger genießen. Hinzu kommt, dass es derzeit auffällig ist, dass Salzburg keine Führungsspieler in seinen Reihen hat. Gustafsson ist verletzt, der für das Team wichtige Afolabi noch nicht dabei, Zickler wanderte zum LASK ab, ÖFB-Teamkapitän Janko zum FC Twente Enschede. Und plötzlich macht in der Meistermannschaft keiner mehr den Mund auf, wenn es nicht rennt. Ein Alex Zickler hätte auf den Färöer-Inseln, bei einer derartigen Mannschaftsleistung, Arschtritt en masse verteilt und vor Ärger die Eckfahnen durchgebissen. Aber in der Truppe, die da gestern auf dem Platz stand, schien es niemanden zu stören, dass man gegen färöische Amateure eine auf den Deckel bekommt. Negativbeispiel Nummer Eins ist Christoph Leitgeb, der eigentlich die Rolle als spielerischer und emotionaler Chef im Mittelfeld des Meisters einnehmen müsste. Der Steirer war allerdings ein Schatten seinerselbst, vermutlich sogar der schlechteste Mann am Platz, der sich mit seiner gelben Karte in der 92.Minute noch rechtzeitig vor dem Abpfiff zum “König der Färöer-Dummheit” krönte.

Wieder eine neue Mannschaft

Beim 5:0 im Heimspiel gegen den HB Torshavn spielten vier neue Kicker im Team der Salzburger. Beim 0:1 auf den Färöer-Inseln waren es gleich fünf Spieler, die in der letzten Saison noch woanders unter Vertrag standen (und in dieser Saison vermutlich mehr verdienen). Kaum verwunderlich, dass auch der Auftakt zur Bundesliga in Kapfenberg nicht wirklich funktionierte. Man ersetzt fast die Hälfte der Stammfeldspieler einer 76-Punkte-Meistermannschaft und spielt mit der “neuen” Truppe ein System, das der Hälfte der Kicker nicht entgegenkommt - Stichwort Solospitze Wallner. Es ist schon klar, dass man manche Spieler nicht halten kann. Ein Janko hatte nun mal lukrative Angebote und wollte sich weiterentwickeln. Aber die Personalpolitik der Salzburger ist leider einmal mehr nicht von Kontinuität geprägt und zeitlich schlecht geplant. Zudem wurde nicht punktuell verstärkt, sondern eher nach Verfügbarkeit. Man holt Jantscher für die Position des starken Svento, Mendes da Silva für eine Position, wo endlich Pokrivac seine dauerhafte Chance bekommen muss. Aber - obwohl die finanziellen Mittel nahezu alles zulassen, was für österreichischen Fußball und die Qualifikation für eine Europacup-Gruppenphase nötig ist - keinen Stürmer, obwohl man mit Janko und Zickler zwei verlor und Nelisse rekonvaleszent ist. Sicher auch ein Mitgrund für den mauen Saisonstart der roten Bullen. Scheinbar sind in Wals-Siezenheim Aufmachung und Marketing wichtiger, als zum richtigen Zeitpunkt eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen.

(c) Dannyo - Austrian Soccer Board

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