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Oranje ohne Punktverlust im Finale

07.07.2010 | Keine Kommentare

Die Elftal hat es also tatsächlich geschafft. Vor dem Turnier war der allgemeine Tenor maximal “vergess ma die Holländer nicht, die können auch weit kommen”. Aber, dass das Team mit sechs Siegen aus sechs Spielen ins Finale einzieht, damit rechneten wohl nicht mal die größten Optimisten. Holland darf am Sonntag gegen Deutschland oder Spanien um den WM-Titel spielen - und ist meines Erachtens als klarer Außenseiter zu werten, egal wer der Gegner wird.

Die Niederlande lebten im Laufe des Turniers fast ausschließlich von Einzelaktionen. Ein Genieblitz von Sneijder hier, ein Tempodribbling von Robben da und dann gab’s noch immer die Chance, dass Giovanni van Bronckhorst einen Weitschuss reinhaut oder die Gegner sich ehrfürchtig für’s Eigentor entscheiden, wie es Dänemark oder Brasilien taten. Erst mit dem Eingreifen Robbens ins das WM-Geschehen war Holland schwerer auszurechnen, wirkte offensiv spritziger und bissiger. Aber nichts desto trotz hat diese Truppe ganz markante Schwächen, allen voran die “Speerspitze” Robin van Persie. War der Angriff bei den bisherigen WM-Finalteilnahmen 1974 und 1978 mit Rep und Rensenbrink, unterstützt vom großen Johan Cruyff, noch ein Prunktstück der Niederländer, könnte es im WM-Finale 2010 zum Sargnagel werden. Gerade in modernen Systemen ist es wichtig, dass die Defensive bei der vordersten Spitze beginnt - und van Persie ist im Spiel der Elftal nahezu isoliert, wirkt zeitweise sogar lustlos und üebrheblich. Die Alternativen fehlen ebenfalls, zumal Huntelaar für van Marwijk der klassische Einwechsler ist, Kuyt am Flügel zum Einsatz kommt und Babel gar nicht.

Zu wenig Klasse auf diesem Level bei Uruguay

Uruguays Kicker kämpften wie die Löwen. Sie kämpften um ihr Leben, wie sie vor dem Spiel selbst sagten. Aber am Ende fehlte bei den Urus die Klasse, vorallem im Mittelfeld. Die Abwehr präsentierte sich bis auf wenige Ausnahmen stark, vorallem Cáceres spielte gegen Robben weitgehend eine Top-Partie und auch Godín zeigte einmal mehr, wieso er einer der besten Innenverteidiger des bisherigen Turniers ist. Vorne wirbelten einmal mehr Forlán und die “Zahnspange der Nation” Cavani, der einen sehr guten Tag erwischte und gestern sicher mit einigen Wadenkrämpfen ins Bett ging. Aber dazwischen ist zu wenig spielerische Klasse. Kampfkraft, ja. Taktische Disziplin ebenso. Aber es fehlte eben das/der, was Holland nach einem ihrer vielen unnötigen Ballverluste in Vorwärtsbewegung in der eigenen Hälfte wirklich verletzen könnte, zumal der sich sonst gerne in den Rückraum fallen lassende Forlán alle Hände voll zu tun hatte um an vorderster Front nicht nur seinen eigenen Part zu spielen, sondern auch noch den gesperrten Suárez zu ersetzen. Es fehlte quasi ein moderner Enzo Francescoli. Alles was Oscar Tabarez nachlegen konnte war der Stefan Maierhofer Uruguays, Washington Sebastián Abreu. Aber auf diesem Level reicht das leider nicht mehr. Insofern eigentlich bewundernswert wie weit das 3,5-Millionen-Einwohner-Land Uruguay es bei dieser WM schaffte und, dass man auch die Holländer zeitweise an den Rand einer Niederlage oder zumindest Verlängerung drängte.

Team oder Four-Man-Show?

Holland bekommt es also mit Deutschland oder Spanien zu tun. Egal wer der Gegner wird, er wird im Finale als Mannschaft homogener sein und taktisch geradliniger und trockener agieren, als ein holländisches Nationalteam, das wohl wieder auf einen Ausreißer hoffen muss. Kampflos wird sich Holland am Sonntag niemandem geschlagen geben, aber bei Deutschland oder Spanien würden eben elf Mann um den Titel kämpfen. Bei Holland kristallisierte sich bisher eine Four-Man-Show mit Robben, Sneijder, van Bommel und Stekelenburg heraus…

(c) Dannyo - Austrian Soccer Board

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