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Das Hirn Gottes

05.07.2010 | Keine Kommentare

Vor einigen Tagen, Argentinien war noch im Rennen um den Weltmeisterschaftspokal, schrieb Hans Krankl in einer Kolumne, dass der Trainer des bisherigen Turniers für ihn eindeutig Diego Maradona war. Für mich ist das nicht besonders verwunderlich, denn die beiden haben ähnliche Stärken und Schwächen.

Es wäre ja interessant, ob der Goleador seinen argentinischen Kollegen nach dem vercoachten Spiel gegen die Deutschen weiterhin in Schutz nimmt. Krankl bescheinigte dem Trainer der Gauchos zu Recht jede Menge Charisma, eine starke Persönlichkeit vor der die Spieler Respekt haben und die Fähigkeit, seine Spieler bis in die Haarspitzen zu motivieren. Alles Eigenschaften, die auch der vierfache österreichische Torschützenkönig zumindest verdünnt mitbringt. Ich bin mir trotzdem sicher, dass Argentinien mit Gerardo Martino oder Marcelo Bielsa gegen Deutschland eine weitaus bessere Figur abgegeben hätte.

Defence wins Championships

Nicht nur in der Offensive lieferte die deutsche Nationalmannschaft wieder einmal eine Galavorstellung ab, auch in der Defensive war die Leistung reif für den Titel. Besonders hervorheben muss ich Podolski und Müller, da die beiden eine großartige, taktisch disziplinierte Leistung ablieferten. Wenn die Argentinier in Ballbesitz waren, befanden sich die beiden Deutschen immer hinter dem Ball, sodass die Truppe von Jogi Löw mit zwei dichten Viererketten verteidigen konnte. Die Argentinier bissen sich die Zähne am deutschen Zement aus, was auch daran lag, dass die Außenverteidiger Otamendi und Heinze nichts für das Spiel nach vorne beitragen konnten und die Argentinier meistens nur mit fünf Mann vorne kombinieren konnten.

Offense wins games

Auch in der Offensive waren die Deutschen um ein vielfaches gefährlicher, was insbesondere an der schwachen taktischen Ausrichtung der Argentinier lag, die dieser deutschen Mannschaft entgegenkam. Die Argentinier liefen mit einem 4-4-2 auf, wobei sie ein diamantförmiges Mittelfeld aufboten. Messi, der hinter den beiden Spitzen spielte, Tevez, und Higuain kamen stets über die Mitte und deckten auch bei Ballverlust die Flügel nicht ab. Di Maria musste sich um den sehr offensiv agierenden Khedira kümmern, da Mascherano mit Özil beschäftigt war. Nutznießer waren Lahm und Müller auf der rechten Seite, da sie meistens komplett freie Bahn hatten und erst beim Außenverteidiger Heinze auf Gegenwehr stießen.

Gottes Hand reicht für einen Trainer nicht aus

Löw hat wieder einmal alles richtig gemacht. Seine Mannschaft zeigte eindrucksvoll, dass Teamwork, eine gute taktische Ausrichtung und Disziplin gegen Individualität klar die Oberhand behalten. Sowohl defensiv, als auch offensiv war das eine wahre Meisterleistung der Deutschen, die sich diesen Sieg, auch in dieser Höhe, eindeutig verdient haben. Maradona wiederum hat seinen Kritikern bewiesen, dass sie Recht gehabt haben, und der Argentinier hat sicherlich einiges von seinem Ansehen in seiner Heimat eingebüßt. Diese hohe Niederlage war alles andere als ein Zufall, denn alleine das eklatante Unterzahlspiel im Mittelfeld hätte jeden vernünftigen Trainer nach ein paar Minuten zum Handeln bringen müssen.  Leider besitzt Maradona lediglich die Hand Gottes, aber nicht sein Gehirn.

© Stefan Karger – Austrian Soccer Board

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