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Ein hartes Stück Arbeit

30.06.2010 | Keine Kommentare

Spanien steht nach dem 1:0 Erfolg in Kapstadt gegen die Portugiesen im Viertelfinale der Weltmeisterschaft, wo mit Paraguay schon der nächste Gegner wartet. Am Ende sah es nach einem gewohnt souveränen Sieg aus, in der ersten Stunde taten sich die Favoriten jedoch extrem schwer.

Es war wieder einmal David Villa, Spaniens gefährlichste Waffe, der seine Mannschaft erlöste und den aktuellen Europameister in das Viertelfinale schoss. Vor diesem Treffer tat sich die Mannschaft von del Bosque jedoch lange schwer, was in erster Linie an der cleveren taktischen Ausrichtung der Portugiesen lag. Bis auf die ersten Minuten kamen die Spanier kaum zu brauchbaren Chancen und die Portugiesen, die in der Offensive einzig auf Konterattacken setzten, kamen bis zum Rückstand zu den gefährlicheren Chancen. Carlos Queiroz stellte seine Mannschaft perfekt gegen Spaniens 4-2-3-1 System ein, überlies dem Gegner den Ballbesitz im Mittelfeld (was bleibt ihm auch anderes übrig), ließ dafür Xavi, Iniesta und Xabi Alonso eng bewachen, sodass diese wenig Raum und Zeit für gefährliche Aktionen hatten. Lediglich Busquets hatte im Mittelfeld keinen direkten Bewacher, wobei sich der defensive Mittelfeldspieler zumeist für den sicheren Pass entschied, da er nicht gerade der Spieler der Spanier ist, der für die kreativen Ideen zuständig ist. Das lässt sich auch in Zahlen unterlegen, denn von seinen 106 Pässen kamen 92.5% bei seinen Mitspielern an. Eine schöne Quote, die aber auch zeigt, dass der Spieler des FC Barcelona kein Risiko nahm.

Auswechslungen waren entscheidend

In der wie immer harmonisch wirkenden Mannschaft Spaniens war Fernando Torres, der momentan so spielt als ob er Liebeskummer hätte, wie ein Fremdkörper unterwegs. Bis auf den Schuss gleich zu Beginn der Partie sah man von ihm kaum eine brauchbare Aktion. Der Spanier wirkte verunsichert und es wird nach diesem Spiel sicherlich Diskussionen geben, ob im Viertelfinale nicht lieber Llorente die Rolle des Mittelstürmers übernehmen sollte. Während der Wechselspieler frischen Wind brachte und schon Sekunden nach seiner Einwechslung treffen hätte können, gab es auch in Portugals Spielsystem eine wichtige Umstellung. Danny kam für Almeida, sodass Cristiano Ronaldo die Rolle des Mittelstürmers einnehmen musste und in weiterer Folge in der Luft hing und kaum mehr in die Partie eingreifen konnte. Dem portugiesischen Star, der in der Nationalmannschaft häufig hinter den hohen Erwartungen bleibt, kann man nicht einmal einen großen Vorwurf machen, denn ihm fehlte es an jeglicher Unterstützung seiner Mannschaftskollegen. In der 63.Minute erlöste Villa seine Mannschaft und traf im zweiten Anlauf nach einer sehenswerten Aktion, bei der auch Llorente bewies, dass er mit dem Rücken zum Tor stehend für die Mannschaft momentan wertvoller ist als Fernando Torres.

Kein Mut zur Aufholjagd

Wenn man 0:1 gegen Spanien zurückliegt hat man ein großes Problem, umso mehr, wenn man knapp davor seinen Mittelstürmer aus dem Spiel genommen hat. Der Mangel an effektiven Vollstreckern ist in der portugiesischen Nationalmannschaft das vielleicht größte Problem, aber ich kann trotzdem nicht nachvollziehen, warum del Bosque nicht mehr Risiko nahm. Natürlich ist es schwer bei Rückstand gegen die Spanier Druck zu erzeugen, denn das perfekte Kurzpassspiel ist die mit Abstand effektivste Art um einen Vorsprung nach Hause zu spielen. Hat der Gegner keinen Ballbesitz, dann kann er auch kein Tor schießen. Dennoch darf, nein MUSS man sich mehr erwarten, von einer Mannschaft, die am Rande des Ausscheidens steht und über gewisse Möglichkeiten verfügt. Schade um einige portugiesischen Spieler, die bei diesem Turnier viel gezeigt und für mich zu den besten Akteuren auf ihren Positionen gezählt haben. In erster Linie denke ich an den Abwehrspieler Fabio Coentrao, den Benfica Lissabon garantiert nicht lange halten wird können. Der 22-jährige verkörpert alle Eigenschaften eines modernen Außenverteidigers und es war wirklich eine Freude ihm bei seinen Vorstößen auf der linken Seite zusehen zu dürfen. Auch den Innenverteidigern Ricardo Carvalho und Bruno Alves hätte ich einen weiteren Auftritt vergönnt, denn die beiden spielten ebenfalls ein sehr starkes Turnier. Spanien hingegen darf sich mit der nächsten Runde befassen und del Bosque muss sich die Frage stellen, ob er weiterhin auf einen formschwachen Torres setzt, oder Llorente diesmal von Beginn an eine Chance gibt.

© Stefan Karger – Austrian Soccer Board

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