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Schiri-, Mode- und Kameraschwalben

28.06.2010 | Keine Kommentare

Was uns die unmittelbaren Entscheidungsträger des Fußballs in letzter Zeit zumuten, ist schon etwas heftig. Das Spiel wird schneller, es geht um immer mehr Geld - und im Gegenzug werden leider die Schiedsrichter schlechter.

In den beiden Sonntagspartien liefen die Referees zu neuer Tiefstform auf. In beiden Spielen gab es matchentscheidende und haarsträubende Fehler. Frank Lampards “verkehrtes Wembleytor” war wohl von jedem Platz des Stadions mit freiem Auge sichtbar. Das Schiedsrichtergespann entschloss sich jedoch die späte und passive Revanche der Deutschen für 1966 zu unterstützen und ließen weiterspielen. Nicht nur, dass der Schiedsrichter das Tor übersah, auch sein Assistent machte keine Anstalten zur Mittellinie zu laufen. Beschämend - und spielentscheidend, auch wenn ich glaube, dass Deutschland eine lasche englische Truppe, die in Zweikämpfen und Laufduellen schwammiger agierte als übergewichtige Nachwuchsballerinas, so oder so besiegt hätte. Im Abendspiel verbaute sich schließlich noch Roberto Rosetti seine Chance im WM-Finale pfeifen zu dürfen. Das Abseitstor von Carlos Tévez hätte niemals gelten dürfen - und obwohl der Schiedsrichter sich ganz offensichtlich mit seinem Kollegen beriet, ob man das Tor nicht nun doch aberkennen sollte, durfte sich der argentinische Stürmer über sein erstes Turniertor freuen. Und das - davon bin ich überzeugt - obwohl die Schiedsrichter schon unmittelbar nach ihrer Entscheidung genau wussten, dass sie hier einen haarsträubenden Fehler gemacht haben. Die hilflose Mimik des Assistenten inklusive eines beklemmten Kratzens seines Gesichts, verriet eindeutig, dass sie sich ihrer Schuld bewusst waren. Sobald Josef Blatter nicht mehr FIFA-Präsident ist - und das ist hoffentlich morgen (ich hoffe eigentlich ständig, dass es “morgen” passiert) - wird man die Weltmeisterschaft 2010 als Referenz nehmen, um den Videobeweis im Fußball einzuführen und das Spiel auf eine ganz neue Ebene heben. Ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt. Wie so vieles im Leben hat auch der Videobeweis seine Vor- und Nachteile, die es abzuwiegen gilt.

Ein paar weitere Erkenntnisse des heutigen Tages: Der Löw-Flick-Partnerlook ist definitiv einem Modeberater eingefallen, der die deutsche Nationalmannschaft zutiefst verachtet und sie öffentlich der Lächerlichkeit preisgeben will. Der blaue Baumwollsweater, von dem es im deutschen Camp übrigens genau zwei gibt, und diese beiden tragen Löw und Flick seit Wochen (trainieren, schlafen und duschen auch damit), gibt dem deutschen Trainerstab einen locker-lässigen, metrosexuellen Touch. Mein Fall ist das freilich nicht, aber ich bin scheinbar auch nicht die Referenz: Meine Freundin, Deutsche, meinte unlängst bei Argentinien gegen Griechenland: “Der Typ ist so eklig” - wohlgemerkt nachdem ich meine Bewunderung für den genialen Showmann Diego Maradona zum Ausdruck brachte. Als ich im Gegenzug das Outfit der deutschen Betreuer als “unmöglich” kritisierte, bekam ich von ihr (und ihrer deutschen Freundin, ebenfalls einmal zum Matchschauen präsent) eröffnet, dass sie “den Löw nicht von der Bettkante schubsen würde”. Hmm. Ich versuche mir den Kopf nicht länger darüber zu zerbrechen.

Kein Freund von Kameras wird heuer Gabriel Heinze. Der hatte heute einen kleinen Kampf mit dem Arbeitsgerät eines TV-Mannes. Dieses verpasste ihm nämlich einen sauberen Headbutt, für das es auch prompt eine “Gnackwatsch’n” vom Argentinier bekam. 1994 jubelten die Argentinier, in Form des großen Diego Maradona, aufgedreht wie kleine Kinder auf Ritalin, ins Objektiv. Sechzehn Jahr später ist die Stimmung scheinbar gehässiger und die Kamera wird verdroschen, weil sie beim Jubeln stört. Auf keinen Fall stören wollte heute der eine oder andere Kicker der Verliererteams: Ricardo Osorio war dank diverser Konzentrationsschwächen Argentiniens zwölfter Mann. Über 90 Minuten noch schwächer war jedoch Englands Gareth Barry. Ein paar Tropfen Lysergsäure in den Morgentee von Prinz Philip und dieser rennt auch mit seinen 89 Lenzen noch doppelt so schnell wie Barry. Alleine an ihm lag es jedoch auch nicht, dass England mit einer bitteren Klatsche heimgeschickt wurde. Auch ein nehazu feiger Wayne Rooney, ein ausrechenbares Mittelfeld, zu wenig Weltklasse in der gesamten Defensive und der meines Erachtens schlecht gewählte Kader, machten die Three Lions bei der WM 2010 zahnlos wie kleingefleckte Katzenhaie…

Weitere Diskussionen zum Thema: Die Nachbesprechung zu Argentinien gegen Mexiko (3:1) und Deutschland gegen England (4:1) - im Austrian Soccer Board, Österreichs größtem Fußballforum.

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