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WM-Vorbericht - Gruppe H

16.06.2010 | Keine Kommentare

Die Gruppe des Europameisters und Titelfavoriten ist für viele auch noch eine große Unbekannte. Wie stark ist etwa Hitzfelds Schweiz und kann Chile seinen Vorschusslorbeeren gerecht werden? Kann Honduras hier überhaupt eine Rolle spielen? Spannend wird diese Gruppe wohl nur im Kampf um den zweiten Platz - aber das reicht ja schon =)

Spanien:

Vicente del Bosque übernahm 2008 von Luis Aragoñes das vielleicht beste spanische Nationalteam aller Zeiten und spazierte auch prompt durch die WM-Qualifikation. Nicht zu unrecht wird “La Furia Roja”, die mit drei England-Legionären und 20 Spielern aus der heimischen Liga nach Südafrika reisten, von den Buchmachern als Titelfavorit gehandelt. Auf jeder Position ein Top-Mann, in jedem Positionenkomplex einer der Besten der Welt:

Da hätten wir zum Beispiel Real Madrids Sergio Ramos (24). Der rechte Verteidiger gilt bereits seit fast drei Jahren durchgehend als einer der zwei bis drei besten Außenverteidiger der Welt und ist natürlich auch bei der WM gesetzt. Trotzdem ein nicht ganz uninteressanter Nebeneffekt: Sergio Ramos spielte bisher in fünf Jahren etwa 250 Pflichtspiele für Real Madrid, in denen er über 25 Tore erzielte, aber gleich 70 mal Gelb und 10mal Rot sah!
Das Mittelfeld der Spanier wird getragen von drei Genies getragen: Die Barcelona-Connection Andrés Iniesta (26) und Xavi Hernández (30) waren bei der EURO 2008 Garanten für den Titelgewinn. Xavi wurde zum Spieler des Turniers gewählt und hat an Klasse seitdem auch nichts eingebüßt. Bei Iniesta ist dennoch die körperliche Verfassung ein Fragezeichen, zumal er vor und in der Vorbereitungszeit verletzt war. Rechtzeitig fit wurde außerdem Cesc Fábregas (23). Der Arsenal-London-Kapitän, der in April und Mai kein Spiel absolvierte, stieß in den Testspielen wieder zur Mannschaft und hat 19 Saisontore für den englischen Hauptstadtklub im Gepäck. Vorallem im Herbst spielte er zeitweise auf Weltklasse-Niveau. Wenn auch er dieses wieder abrufen kann, ist das spanische Mittelfeld das Maß aller Dinge.

Ebendas könnte auch der Angriff der Spanier sein: David Villa (28) wechselte nach 150 Toren für Valencia vor der WM zum FC Barcelona, wo er natürlich gerne als Weltmeister starten würde. Villa ist Quotenfavorit auf den Titel des Schützenkönigs und holte diesen Titel bereits bei der EURO 2008. Fernando Torres (26) ist vielleicht der noch markantere Star im Angriff der Spanier, aber nach einer Knieoperation im April wird der Liverpool-Star wohl nicht mal erste Wahl sein, was die Ersatzbank der Spanier zu einer Luxusangelegenheit macht.

Meine Einschätzung: Spanien ist weiterhin eine absolute Toptruppe, war auch in den Testspielen gut in Schuss, ist eingespielt und hat die besten Spieler. Völlig zurecht ist diese Mannschaft Favorit auf den Weltmeistertitel. Bisher konnten die Spanier nur bei der WM 1950 in Brasilien unter die letzten Vier des Turniers kommen. Mindestens das wird ihnen sechzig Jahre später ein zweites Mal gelingen!

Schweiz:

Die traditionsreiche “Nati” kommt mit 16 Legionären zur WM nach Südafrika - und mit Ottmar Hitzfeld als Star auf der Bank. Aber die Schweizer hatten einige Ausfälle zu verkraften, unter anderem von Starstürmer Marco Streller (28), der sich bereits zu Beginn der Vorbereitung verletzte und nicht mitfahren kann. Kurz vor dem Erstrundenspiel gegen Spanien verletzten sich jetzt auch noch Valon Behrami (25), der flexible Rechtsfuß von West Ham United und Kapitän und Routinier Alex Frei (30), der nach Jahren in Frankreich und Deutschland nun wieder für den FC Basel stürmt.

Die schillernden Figuren der Schweiz: Philippe Senderos (25), Innenverteidiger und die letzten Jahre bei Milan und Everton glücklos, wechselt nach der WM zum FC Fulham und ist der Abwehrchef des Schweizer Nationalteams. Weltenbummler Senderos ist übrigens auch bekannt dafür, dass er sechs Sprachen fließend spricht und so Cesc Fábregas seine ersten Jahre bei Arsenal London sehr erleichterte und ihn ins Team integrierte. Ein weiterer Rückhalt, im wahrsten Sinne des Wortes, ist für die Schweiz Torhüter Diego Benaglio (26). Der Keeper vom VfL Wolfsburg war vor und in der Meistersaison der Wölfe der statistisch gesehen beste Torhüter der deutschen Bundesliga und ist demnach auch aus der Nationalmannschaft nicht wegzudenken.

Der große Routinier im Mittelfeld ist Basels Benjamin Huggel (32). Der flexible, zentrale Mittelfeldspieler wurde fünfmal Schweizer Meister mit Basel und wurde nach den berühmten Vorfällen nach dem Qualifikationsspiel gegen die Türkei im Jahr 2006 für sechs Nationalteamspiele gesperrt, weswegen er fast die Heim-EM der Schweizer verpasste. Solo-Spitze der Schweiz könnte - auch wegen Freis Verletzung - in den ersten Spielen Eren Derdiyok (22) sein. Der 21fache Teamspieler erzielte letzte Saison 12 Saisontore für Bayer Leverkusen, gilt als kopfballstark und steht dort, wo ein Stürmer stehen muss.

Meine Einschätzung: Die Schweiz hat es mit ihrer Gruppe hart erwischt. Spanien wohl unantastbar, Chile stark - und selbst hat man personelle Probleme und will einfach noch in keinen Rhythmus kommen. Ich gehe davon aus, dass die Schweiz Dritter wird und sich nicht für’s Achtelfinale qualifiziert, bin jedoch auf die WM-Debüts von Spielern wie Derdiyok, Shaqiri (erst 18 Jahre alt, Stammspieler beim FC Basel) oder Nürnbergs Spätstarter Bunjaku gespannt.

Chile:

Chile stellt heuer eine technisch starke, laufkräftige Truppe, die vorallem ohne Ball stark ist und perfekt umschaltet. Durch die Bank Legionäre und einige schillernde Figuren: So zum Beispiel Humberto Suazo (29), der bei den Chilenen im Angriff gesetzt ist. Der 42fache Teamspieler (18 Tore) war zuletzt an Real Saragossa ausgeliehen, was interessanterweise trotz regelmäßiger Tore in Chile und Mexiko seine erste Europastation ist. Im Mittelfeld muss man speziell auf Matías Fernández (24) achten, denn der linke Mittelfeldspieler von Sporting Lissabon gilt als der beste Techniker Chiles. Ein flinker, wendiger Kicker, der seinem Gegenspieler schon mal um die Ohren laufen kann und auch für Tore gut ist. Neben ihm, in der Mittelfeld-Zentrale, der 168cm große Carlos Carmona (23) von Reggina. Ein verlässlicher Spieler mit solider Technik, der das Tempo im Mittelfeld bestimmen wird.

Der wohl wichtigste Mann in der Defensive der Chilenen ist Leverkusens flexibler Abräumer Arturo Vidal (23). Während der 23fache Teamspieler bei Leverkusen eher im Mittelfeld zum Einsatz kommt, spielt er in Chiles Team in der Abwehr. Kleine Schwachstelle in der Abwehr: Torhüter Claudio Bravo (27) von Real Sociedad, der vorallem bei Flanken seine Probleme hat und auch sonst kein unerwartetes Jabulani-Opfer werden könnte.

Meine Einschätzung: Das chilenische Team ist eine kompakte, durch die Bank lauffreudige und technisch sichere Truppe, die nur aufpassen muss, nicht überheblich zu werden, wenn’s gerade gut läuft. Mit Marcelo Bielsa hat das Team einen interessanten Trainer, der seinen Spielern schon mal in den Arsch treten kann, was bei diesem Turnier sicher nicht unwichtig sein wird. Ich denke, dass Chile mit Platz 2 die Qualifikation für’s Achtelfinale schafft - und dass die Spieler von allen WM-Teilnehmern ihre Hymne am Coolsten singen werden D

Honduras:

Zum zweiten Mal seit 1982 ist Honduras bei einer WM dabei und wird 2010 Gefahr laufen zum Kanonenfutter in Gruppe H zu werden. Dabei spielen einige Klassespieler im Nationalteam der Honduraner, etwa der linke Verteidiger Maynor Figueroa (27), der seit zwei Jahren für Wigan Athletic spielt und beim Nationalteam den Abwehrchef machen wird. Oder Tottenhams defensiver Mittelfeldspieler Wilson Palacios (25), der aus der Defensive heraus das Mittelfeld organisieren soll. Und dann wäre da noch David Suazo (31), der seit elf Jahren in Italien spielt (in seiner besten Saison machte er 22 Saisontore für Cagliari/Serie A) und zuletzt mäßig erfolgreich für den FC Genua und Benfica Lissabon stürmte, aber immer noch Inter Mailand gehört.

Der Rekord-Teamspieler der Honduraner ist übrigens auch dabei: Amado Guevara (34) hat 136 Länderspiele auf dem Buckel und kehrte erst vor der WM nach sieben Jahren in der Major League Soccer nach Honduras zu CD Motagua zurück. Er ist im rechten Mittelfeld gesetzt. Noch routinierter ist aber Carlos Pavón (36): Der Stürmer spielte bereits in Mexiko, den USA, Guatemala, Kolumbien, Italien und Spanien und erzielte in 100 Länderspielen 56 Tore für Honduras. Er ist im Angriff gemeinsam mit Humberto Suazo gesetzt. Das hört sich jetzt alles ganz gut an, aber so toll ist die honduranische Fußballwelt dann leider doch nicht. Das Team hat große technische und taktische Defizite, agiert im Spiel nach vorne planlos, viel zu sehr auf “Hauruck” und ist zudem in der Defensive nicht selten offen wie ein Scheunentor.

Meine Einschätzung: Honduras ist auf alle Fälle ein Kandidat dafür, bei der WM komplett leer auszugehen, keinen einzigen Punkt zu holen. Die Gruppe der Honduraner ist unangenehm, gespickt mit absoluter Weltklasse und gegen Spieler von der Qualität eines Villa oder Xavi, aber auch eines Matías Fernández von Chile oder der taktischen Stärke der Schweizer, gibt es für Honduras nichts zu holen. Außerdem: Vorsicht auf Torhüter Noel Valladares! Auch ein Kandidat, der keine Liebesbeziehung mit dem Jabulani eingehen wird.

Die ausführliche Info zur Gruppe H, unter anderem mit möglichen Aufstellungen, findet ihr im Austrian Soccer Board, Österreichs größtem Fußballforum!

(c) Dannyo - www.austriansoccerboard.at

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