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WM-Vorbericht - Gruppe D

13.06.2010 | 1 Kommentar

Es ist die Gruppe, auf die man in Österreich naturgemäß mit Argusaugen schaut. Deutschland!! Der “große Bruder”, für den WM-Teilnahmen wahrlich nichts besonderes sind, ein frühes Ausscheiden jedoch schon. Und diesmal hat unser liebster Feind einige Sympathieträger in der Gruppe.

Deutschland:

Man muss kein großer Kenner sein, um mitbekommen zu haben, dass über die letzten Woche immer mehr Kicker das deutsche Teamcamp humpelnd verließen. Träsch, Ballack, Westermann, Adler, Rolfes… Teamchef Jogi Löw musste schon seit längerem Umdenken, was seine taktischen Ideen angeht. Aber nichts desto trotz kamen die Ausfälle - so dramatisch sie für Deutschland auch sein mögen - zu guten Zeitpunkten: Nicht zu spät, sodass der Teamchef auch einen Plan B schmieden konnte. In dem wiederum andere Kicker tragende Rollen spielen und das nicht schlecht: Stuttgarts starker Deutsch-Tunesier Sami Khedira (23) im defensiven Mittelfeld, oder auch Werder-Star Mesut Özil (21), den derzeit halb Europa jagt und der durch Ballacks Ausfall gleich noch mehr Verantwortung übernehmen muss. Zudem kann sich Schalkes Debütant Manuel Neuer (24) langsam ans Nationalteamtor gewöhnen.

Deutschland macht sich letzlich selbst eine mittelstarke Gegnerschaft zu einer brandgefährlichen. Unmittelbar nach der WM-Auslosung sprach man im deutschen Lager davon, großen Respekt vor Ghana zu haben. Aber Serbien und Australien dürfen einfach kein Problem darstellen. Das hörte man speziell in Serbien nicht gerne - oder besser gesagt gerne. Denn dort will man es den Deutschen jetzt erst recht so richtig zeigen. Ich habe letztens mit einem serbischen Türsteher vor einer Bar über derartige Aussagen gesprochen. Er vergaß auf der Stelle auf seinen Job, holte zu einem verbalen Rundumschlag gegen Deutschland aus, erklärte mir, wie Serbien die Deutschen zermalmen könne - und währenddessen schleusten sich hunderte Kinder ohne Ausweis an ihm vorbei. Ihm war’s egal, das serbische Team war wichtiger. Und genauso ernst wie er, werden’s auch Deutschlands Gegner nehmen, wenn sie gegen Löw und seine Mannen spielen ;)

Meine Einschätzung: Deutschland ist seiner Gruppe naturgemäß Favorit, aber ich glaube, dass unsere Nachbarn sehr hart für den Gruppensieg kämpfen müssen. Serbien ist ein enorm starker Gegner mit Klassespielern auf jeder Position, Ghana wird alles entgegenstellen, was möglich ist. Australiens darf heuer kein Problem für Deutschland sein. Ich gehe davon aus, dass Deutschland ins Achtelfinale aufsteigt und vielleicht auch noch ein, zwei Runden weiterkommt. Aber nicht als Gruppensieger - und der WM-Titel ist meines Erachtens unerschwinglich.

Australien:

Die Socceroos wurden vor vier Jahren zu einem echten Sympathieträger bei Weltmeisterschaften. Unvergessen der heiße Fight mit Italien. Was viele gerne vergessen: Australien nimmt 2010 erst zum dritten Mal an einer Weltmeisterschaft teil: 1974 schied das Team in der Vorrunde aus, 2006 gab’s eben das Achtelfinalaus. Trainiert wird das Team 2010 von Pim Verbeek, einem Holländer. Von den 20 Legionären spielen gleich sieben in England, davon fünf in der Premier League. Die Mannschaft hat prinzipiell Potential, aber ist sie stark genug für Gruppe D?

Gerade in Abwehr und Mittelfeld will Australien mit Erfahrung punkten. Der jüngste Spieler auf diesen Positionen ist Mark Milligan, vom japanischen Klub JEF United, mit 24 Jahren. Führungsspieler gibt’s einige: Zum Beispiel den 34jährigen Innenverteidiger Craig Moore, der zuletzt bei Kavala in Griechenland spielte und zwölf Jahre bei den Glasgow Rangers unter Vertrag stand. Dann wäre da noch FC-Basel-Urgestein Scott Chipperfield (34), der außer Tormann alles spielen kann. Stell’ Chipperfield hin, er macht’s gut. Eigentlich ist der 65fache Teamspieler, der in der Schweiz liebevoll unabsichtlich “Tschip-rr-fiiild” genannt wird, linker Mittelfeldspieler - im Meisterschaftsfinish spielte er auswärts bei den Young Boys Bern aber im Angriff und erzielte prompt das meisterschaftsentscheidende Tor. Mit Kewell, Emerton, Grella und Kehill hat Australien zudem vier Topspieler mit England-Erfahrung, allerdings allesamt schon über 30 und damit womöglich schon etwas “drüber”.

Meine Einschätzung: Die goldene Generation der Australier ist weiterhin mit von der Partie, aber sie ist in die Jahre gekommen. Während die zuletztgenannten Kicker in Deutschland 2006 noch 26, 27 Jahre alt waren, sind sie jetzt eben 30 oder 31 - und es kam nicht sonderlich viel nach. Australien wird nicht umsonst von den Buchmachern als krasser Außenseiter in Gruppe D gehandelt, auch ich gehe davon aus (aus familiären Gründen mit einem weinenden Auge), dass das Team Platz 4 in Gruppe D einnehmen wird.

Serbien:

Die “Beli Orlovi”, zu deutsch die “weißen Adler”, werden nicht selten als Geheimfavorit auf ein spätes Ausscheiden bei der WM 2010 genannt. Und das völlig zurecht, denn wie viele andere vermeintliche Mittelklasse-Teams hat auch Serbien einen Haufen Legionäre, nur dass die der Serben Stammkräfte bei Klubs wie Manchester United, Chelsea London, Inter Mailand oder Ajax Amsterdam sind.

Der Kapitän des serbischen Teams hat soeben die Champions League gewonnen: Dejan Stankovic (31) zieht in einem Mittelfeld, in dem beispielsweise Supertalent Zoran Tosic (Leihgabe von Manchester United an den 1.FC Köln) kein Leiberl hat, aus dem Mittelfeld heraus die Fäden. Das Prunkstück des Teams von Radomir Antic ist allerdings die Viererkette, in der ich keinen einzigen Akteur gerne als Gegenspieler hätte: Rechts spielt Branislav Ivanovic (26) von Chelsea, links Aleksandar Kolarov (24) von Lazio und innen Nemanja Vidic (28) von Manchester United, zusammen mit Neven Subotic (21) von Borussia Dortmund. Da muss man erst mal durchkommen.

Dazu kommt, dass Serbien offensiv schwer auszurechnen ist. Marko Pantelic (31) von Ajax Amsterdam, der meines Erachtens etwas überschätzt wird, sollte gesetzt sein - die wahre Gefahr geht aber von den hünenhaften Angreifern der Serben aus: Den 2,02m-Mann Nikola Zigic, soeben von Racing Santander zu Birmingham City gewechselt, muss man erst mal in den Griff bekommen. Und auf der Bank wartet mit Dragan Mrdja (26) noch nebenbei der serbische Schützenkönig, der wiederum Zigic’ Nachfolger bei Santander werden könnte.

Meine Einschätzung: Die kompakteste Mannschaft der Gruppe. Es ist unheimlich schwer den Serben ein Tor zu schießen und im Spiel nach vorne ist das Team facettenreich, flink und mit viel Potential von der Bank ausgestattet. Mein Tipp auf den Gruppensieg, noch vor den Deutschen. Die große Schwachstelle: Torhüter Vladimir Stojkovic (26) von Wigan Athletic.

Ghana:

Ghana nimmt erst das zweite Mal nach 2006 bei einer Weltmeisterschaft teil und wird es heuer speziell wegen des Fehlens eines Mannes sehr schwer haben: Michael Essien, der zuletzt seinen Vertrag bei Chelsea London bis 2015 verlängerte, fällt wegen Knieproblemen aus - und hinterlässt damit ein klaffendes Loch in der Startformation der Ghanaer. Die Stars im Mittelfeld sind nun Sulley Ali Muntari (25) von Inter Mailand (bitte bei Ghana-Spielen Block rausholen und seine Fouls und Karten mitzählen, dann habt ihr dauerhaft etwas zu tun ;) ) und Stephan Appiah (29) von Bologna. Appiah spielte 2006 eine starke WM, doch die Tage des Teamkapitäns sind mittlerweile so gut wie gezählt. Er spielte in den letzten drei Jahren in nur zehn Spielen für seine Klubs und wird aller Voraussicht nach bald seine Karriere beenden. Er ist somit einer der wenigen Teamkapitäne, die bei der WM kein Leiberl haben werden…

Der Mann, über den in den letzten Wochen viel gesprochen wurde, heißt Kevin-Prince Boateng (23) und spielte zuletzt für den FC Portsmouth. Ich oute ich mich mal und behaupte, dass Boateng einer der unsympathischsten, unsportlichsten und arrogantesten Spieler des Turniers ist. Und zwar nicht nur, weil er rechtzeitig vor Start der WM den deutschen Teamkapitän zusammengetreten hat - was er wiederum in diesem Ausmaß bestimmt nicht wollte. Positiv gesprochen wird hingegen über Gyan Asamoah (24), für den die WM genau rechtzeitig kommt. Dem Rennes-Legionär ging heuer der Knopf auf und er erzielte 13 Ligasaisontore für seinen Ligue-1-Klub. Gyan, der für Ghana als Solospitze agieren wird, hat zudem vorallem im Nationalteam eine starke Trefferquote: 40 Spiele, 20 Tore.

Meine Einschätzung: Ghana wird es heuer schwerer haben als vor vier Jahren. Das Team hat zweifellos gewisse Vorzüge gegenüber seinen Gruppengegnern, ist etwa körperlich klar über Australien zu stellen und mit Deutschland und Serbien auf einer Stufe, aber gerade taktisch und technisch ist das Team des Serben Milovan Rajevac zu schwach, um in dieser Gruppe zu bestehen. Alleine das Freundschaftsspiel gegen Holland vor einigen Tagen war in dieser Hinsicht symptomatisch. Ich tippe Ghana auf Platz 3 der Gruppe D, mit Respektabstand zu den Aufstiegsplätzen.

Ausführliche Informationen über Gruppe D findet ihr im Austrian Soccer Board, Östereichs größtem Fußballforum.

(c) Dannyo - austriansoccerboard.at

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Ein Kommentar

  1. Anonymous

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