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WM-Vorbericht - Gruppe C

12.06.2010 | Keine Kommentare

Ein hoher Favorit, ein Team, das immer mehr im Kommen ist und zwei krasse Außenseiter mit interessanten Kickern. Das ist Gruppe C. Eine Gruppe, in der nahezu jeder drei Siege der Engländer erwartet.

England:

Englands italienischer Coach Fabio Capello ist der einzige “Legionär” bei den Three Lions. Der Weltmeister von 1966 kommt mit 23 Premier-League-Spielern nach Südafrika und kann beinahe aus dem Vollen schöpfen. Interessant am Team der Engländer: Keine ausrangierten Stars, keine blutjungen Spieler - Englands Kicker sind mit einer einzigen Ausnahme alle zwischen 23 (Aaron Lennon und Ersatzkeeper Joe Hart) und 32 Jahre (Jamie Carragher und Emile Heskey) alt.

Die Stars der Engländer sind mittlerweile im so genannten “besten Fußballeralter”. Gerrard ist mit 30 Jahren der einzige der großen Hoffnungsträger, der mit Liverpool eine Seuchensaison erwischte. Frank Lampard (31) spielte eine fantastische Saison für Chelsea und holte das Double, Manchester-United-Star Wayne Rooney (24) war bis zu seiner Verletzung top und zerbombte förmlich die Liga, sein Klubkollege Michael Carrick (28) wird immer mehr zum Schlüsselspieler seines Teams. Und trotz des großen Wirbels um seine Person kann man davon ausgehen, dass auch John Terry (29) ein sicherer Abwehrchef sein wird. Größtes Fragezeichen, wie immer in England, der Torhüter… ist der 39jährige David James sicher genug?

Meine Einschätzung: England hat, auch wenn die USA eine starke Truppe stellt, das Potential alle drei Gruppenspiele zu gewinnen. Der Italiener Fabio Capello als Coach kann der Mannschaft nur gut tun. Er hat den nötigen Abstand zur britischen Mentalität und war zuvor noch nie in England tätig, wodurch er einige Dinge sicher etwas nüchterner und sachlicher sieht als seine Vorgänger. Ich traue England zu weit zu kommen, fürchte aber, dass wie so oft in Viertel- oder Halbfinale Schluss sein wird.

Algerien:

Algerien stellt bei seiner ersten WM-Teilnahme seit 1986 eine erwartungsgemäß sehr Frankreich-lastige Truppe. Sieben der 23 Kaderspieler spielen in der ersten oder zweiten französischen Liga, einige der Akteure haben sogar einen französischen Pass. In der Abwehr ist Glasgow-Rangers-Legionär Madjid Bougherra (27), eigentlich defensiver Mittelfeldspieler, als rechter Verteidiger eine Stütze, im Mittelfeld haben vorallem der routinierte Lorient-Legionär Yazid Mansouri (32) und davor Mönchengladbach-Spieler Karim Matmour (24) ihre Leiberl sicher.

Im Angriff setzt Coach Rabah Saadane nicht etwa auf den nationalteamerprobten Rafik Saifi vom FC Istres, sondern auf einen Griechenland- und einen Italien-Legionär. Rafik Djebbour (26), in Frankreich geboren, spielt seit fünf Jahren in Griechenland, wo er zuerst für Panionios ein erfolgreicher Goalgetter war und momentan bei AEK Athen zwischen Platz und Bank hängt. Auch Abdelkader Ghezzal (25) ist in Frankreich geboren, nur spielte er in den letzten fünf Jahren für Klubs wie Crotone, Genoa oder aktuell Siena, wo der 19fache Teamspieler sich einen Fixplatz erkämpfen konnte.

Meine Einschätzung: Die Slowenen sollten auf Augenhöhe mit Algerien sein. Das technische, wendige Spiel der Algerier kommt den Slowenen meiner Meinung nach nicht gelegen, das sollte ein Ansatzpunkt sein, um den Slowenen bei deren zweiter WM ein Bein zu stellen. Viel mehr als das ist aber wahrscheinlich nicht drin. Die USA ist Algerien, ebenso wie England, Meilen voraus und auch wenn sie einen starken Afrika-Cup spielten, wird es für den Aufstieg in dieser unangenehmen Gruppe nicht reichen.

USA:

Seit 1990 war das Team der Vereinigten Staaten von Amerika bei jeder WM dabei. Das Team von Bob Bradley kommt mit drei starken Torhütern aus der englischen Premier League (Einserkeeper ist Tim Howard vom FC Everton) und einer starken Viererkette zur Weltmeisterschaft. So steht Innenverteidiger Oguchi Onyewu (28) beim AC Milan unter Vertrag (wenn auch bisher ohne Einsatz D ), Außenverteidiger Steven Cherundolo (30) ist langjährige Stütze von Hannover 96.

Trainersohn Michael Bradley gilt als “Spielmacher” der US-Amerikaner. Obwohl erst 22 Jahre alt, spielte er schon zwei Jahre in der Stammelf von Borussia Dortmund und erzielte im Jahr zuvor 20 Pflichtspieltore für den SC Heerenveen. Aufpassen auch auf die Nummer 8, Clint Dempsey, der zuletzt zwei starke Jahre für den FC Fulham spielte und mit 27 Jahren und 62 Länderspielen (18 Tore) bei dieser WM zu einem Führungsspieler reifen kann. Ein solcher ist US-Toptorjäger Landon Donovan bereits. Der 28jährige traf 41mal im Nationalteam, zig male für die San Jose Earthquakes und L.A. Galaxy - aber in Europa floppte er überall. Zuerst bei Bayer Leverkusen, dann bei Bayern München und zuletzt beim FC Everton. Bayern-Amateure-Trainer Hermann Gerland etwa meinte sinngemäß, dass Donovan bei ihm nicht mal in der 3. deutschen Liga ein Leiberl hätte. Der Superstar der USA ist also eher mit Vorsicht zu genießen.

Meine Einschätzung: Ein körperlich starkes Team, das sehr diszipliniert und durchorganisiert ist und sich nie hängen lässt. Klassisch amerikanisch. Die Dichte an Kaderspielern von internationaler Klasse ist jedoch eher dünn gehalten, das Team hängt an einigen Schlüsselspielern wie eben Dempsey oder Bradley. Die USA wird Gruppe C wohl überstehen, aber mehr als das Achtelfinale traue ich den Bradley-Boys eher nicht zu.

Slowenien:

Lange trauerte man in Slowenien der starken Mannschaft der Jahrtausendwende nach. 2010 hofft man in Slowenien, dass die Jungs von Matjaž Kek eine kleine Sensation in Gruppe C schaffen können. Die Top-Spieler der Slowenen spielen in Deutschland: Abwehrspieler Mišo Brečko (26) und Stürmer und Kapitän Milivoje Novakovic (31) vom 1.FC Köln, hinzu kommen vorallem die beiden Mittelfeld-Toptalente Rene Krhin (20) von Inter Mailand und Nejc Pečnik (24) von Nacional Madeira.

Insgesamt fehlt dem Team dennoch die nötige Klasse und Dichte, um bei dieser WM zu bestehen. Die Abwehr ist physisch stark, aber durch die Bank eher langsam und schwach im Spiel nach vorne. Im Mittelfeld ist zwar der eine oder andere Spieler für Genieblitze gut, so zum Beispiel West Bromwoch Albion Spielmacher Robert Koren (29), insgesamt fehlt jedoch die spielerische Klasse, um Teams wie England oder die USA auszuhebeln. Interessant ist noch der 23jährige Stürmer Valter Birsa, der zur Zeit für Auxerre spielt und als “arbeitender Angreifer” gilt, was wiederum Novakovic zu Gute kommt.

Meine Einschätzung: Slowenien ist körperlich stark, trifft aber auf drei Gegner, die ihnen allesamt etwas voraus haben: England hat die klar höhere Klasse, die USA ist körperlich noch stärker und die Algerier sind schneller, wendiger, trickreicher. Maximal Algerien ist auf Augenhöhe, aber ich tippe die Slowenen doch recht klar auf den letzten Platz in Gruppe C. Möglicher Trumpf für die Slowenen: Das Wetter.

Ausführlichere Informationen über Gruppe C und alle möglichen Aufstellungen findet ihr im Bericht im Austrian Soccer Board, Österreichs größtem Fußballforum.

(c) Dannyo

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