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WM-Vorbericht - Gruppe B

11.06.2010 | Keine Kommentare

Gruppe B hat mit Argentinien einen ganz klaren Favoriten und kaum ein Bookie glaubt, dass Argentinien hier überhaupt Zweiter werden geschweige denn nicht weiter kommen könnte. Platz zwei ist aber hart umkämpft und gerade die Duelle zwischen Nigeria, Südkorea und Griechenland sind für Sensationen wie gemacht!

Argentinien:

Kaum eine Nation kann dermaßen viele Klasseleute aufstellen wie die Argentinier. Der Kader liest sich wie das Who is Who der Fußballelite und ist sowohl defensiv als auch offensiv mit absoluten Klassespielern gespickt. Kapitän der Mannschaft ist Liverpool-Legionär Javier Mascherano (26), Abwehrchef Inter-Mailand-Routinier Walter Samuel (32) und im Mittelfeld spielt auch Altstar Juan Sebastián Veron (35), der mittlerweile wieder in seiner Heimat kickt, noch eine tragende Rolle. Der nicht ganz so stille Star abseits des Platzes ist aber sicher Trainer Diego Armando Maradona, seines Zeichens einer der besten Fußballer aller Zeiten und, wenn man dem einen oder anderen Skeptiker Glauben schenken darf, eine gewisse Bremse für diese Supermannschaft. Ist es ausgerechnet eine von Maradonas Wahnsinnigkeiten, die dem Team schlussendlich einen Platz im Spitzenfeld des Turniers kostet? Ich sage: Es kicken die elf am Platz.

Besonders im Angriff hat Argentinien ein Luxusproblem: Die Spanien-Legionäre Gonzalo Higuain (22, Real Madrid) und Sergio Agüero (22, Atlético Madrid) treffen ebenso wie Manchester-City-Bomber Carlos Tévez (26) am laufenden Band. Diego Milito (31) hat soeben für Inter Mailand die Champions League entschieden und Altmeister Martin Palermo (36) erlebt bei den Boca Juniors seinen x-ten Frühling. Und dann wäre da noch der wohl beste Fußballer der Gegenwart: Lionel Messi wird am letzten Tag der Gruppenphase 23 Jahre alt und könnte sich in Südafrika bereits in jungen Jahren zu einem der Größten aller Zeiten krönen. Womöglich zuviele Köche und so? D

Meine Einschätzung: Ein guter Angriff ist nur so gut wie seine Verteidigung es zulässt. Über die Gruppengegner wird Argentinien “drüberfahren”, daran besteht für mich kein Zweifel. Wenn es dann aber in der K.O.-Runde ans eingemacht geht, ist Argentinien in seiner Komplettheit einigen Gegnern nicht mehr dermaßen eklatant überlegen. Außerdem kann ich es mir nicht vorstellen, dass Maradona bei seiner ersten ernstzunehmenden Trainerstation sofort den größten Titel des Fußballgeschäfts holt. Ich tippe auf ein Viertel- oder Halbfinalaus der “Gauchos”.

Südkorea:

Schwer zu sagen in welcher Verfassung Südkorea sich befindet. Nur fünf der 23 Kaderspieler kicken in Europa, die anderen 18 in Asien, größtenteils in ihrer Heimat und in Japan. Die schillernden Figuren sind auf jeden Fall “Three Lung Park”, wie ihn die Engländer nennen, alias Ji-Sung Park, der bei Manchester United als Mittelfeldmotor agiert. Ein weiterer Mann mit großer internationaler Erfahrung ist Außenverteidiger Young-Pyo Lee, der für PSV Eindhoven, die Tottenham Hotspurs und Borussia Dortmund spielte. Dieser wurde übrigens auch dadurch berühmt, dass ihm die Arsenal-Fans in seiner England-Zeit den freundlichen Schlachtgesang “Young-Pyo Lee ate my dog” widmeten D

Ein interessanter Mann in der Offensive: Der erst 21jährige Chung-Yong Lee, der vor einem Jahr aus Seoul zu den Bolton Wanderers nach England wechselte und dort auf Anhieb zum Stammspieler wurde. Auch wieder im Kader ist übrigens der südkoreanische Held der erfolgreichen Heim-WM 2002, Jung-Hwan Ahn. Seit dieser WM konnte er allerdings lediglich in Japan Fuß fassen und floppte unter anderem beim MSV Duisburg und beim FC Metz. Momentan spielt der 34jährige, ehemalige Teenie-Star in China bei Dalian Haiching. Im Nationalteam ist er jedoch eher Ergänzungsspieler.

Meine Einschätzung: Südkorea ist aufgrund der vielen Spieler, die in Asien unter Vertrag stehen, eine große Unbekannte, könnte aber von seiner Gruppe profitieren. Die Griechen haben ihren Zenit vermutlich überschritten, Nigeria reist ersatzgeschwächt zur WM. Südkorea könnte der lachende Dritte für Platz zwei sein - und auf diesen Platz tippe ich das taktisch disziplinierte und laufstarke Team von Trainer Jung-Moo Huh auch.

Nigeria:

Die “Super-Eagles” aus Nigeria haben ein großes Problem - und dieses Problem heißt Mittelfeld. Durch den Ausfall von John Obi Mikel vom FC Chelsea ist der wohl wichtigste Mann für’s Mittelfeld der Nigerianer ausgefallen. Nachnominiert wurde ein weiterer Stürmer. In Nigeria ist man schon so weit Hoffenheims Flügelflitzer Chinedu Obasi im Mittelfeld aufzustellen - was Schachzüge wie diese für das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft bedeuten spricht Bände.

Nigeria verfügt mit Vincent Enyeama vom israelischen Meister Hapoel Tel Aviv über einen Klassetormann (der übrigens schon mal den einen oder anderen Elfer versenkt), ist in der Abwehr dank einiger England- und Frankreich-Legionäre wie Joseph Yobo (FC Everton) oder Taye Taiwo (Olympique Marseille) gut besetzt und hat genug Stürmer für zwei Mannschaften. Allesamt Top-Leute, wie Evertons Yakubu, Wolfsburgs Obafemi Martins oder der vielseitige Peter Odemwingie von Lok Moskau.

Meine Einschätzung: Die Mischung im nigerianischen Team passt einfach überhaupt nicht. Auch Teamchef Lars Lagerbäck ist da nicht frei von Kritik. Das nigerianische Team besteht zu 100% aus Legionären, aber mir ist noch nicht ganz klar, wie das Team bei der WM auftreten will, um sich defensiv nicht total zu entblößen. Ich glaube auch, dass Südkorea stärker bzw. kompakter einzuschätzen ist, als die Nigerianer, die ich nicht in den Top-2 dieser Gruppe sehe. Offensiv hat das Team Klasse, gar keine Frage. Aber das ist maximal gegen einen Gegner wie Griechenland von Vorteil, denen kann man vielleicht die Tür einrennen. Wenn Nigeria im ersten Gruppenspiel auf Argentinien trifft, kann ich mir eine Klatsche für die Afrikaner, je nach Tagesform der Argentinier, durchaus vorstellen.

Griechenland:

Was Otto “Rehakles” Rehhagel mit dem griechischen Nationalteam erreichte, grenzt an eine Sage aus der griechischen Mystik. Aber Rehhagels Elf ist seit dem sensationellen Europameistertitel 2004 nie wieder so unbekümmert zu Werke gegangen, wie damals. Zwar kam das Team recht souverän durch die Qualifikation und so manches Relikt aus der Europameisterelf steht auch heutzutage noch in der Startelf, aber der Stamm, der damals für die taktische Meisterleistung in Portugal zuständig war, hat seinen Zenit entweder überschritten, oder ist gar nicht mehr dabei.

Griechenland reist mit “nur” neun Legionären zur WM. Acht Spieler hingegen stehen beim frisch gebackenen Meister Panathinaikos Athen unter Vertrag. Interessante Spieler? In der Abwehr vorallem Liverpools Sotirios Kyrgiakos (30) und der für Bologna spielende, flexible Hüne Vangelis Moras (28), der mit Kyrgiakos das Innenverteidiger-Duo bilden wird. Kapitän Karagounis und der routinierte Kostas Katsouranis (32) sind die beiden Überbleibsel der Elf von 2004, die noch immer auf Top-Niveau spielen.

Im Angriff sollten die Jahre von Angelos Charisteas (30) bald gezählt sein. “Hari” ist in Nürnberg nur noch Ersatz und kann das kraftaufwändige Spiel als Solospitze, die gleichzeitig “erster Verteidiger” ist und eines der großen Asse im EM-Ärmel von 2004 war, lange nicht mehr auf WM-tauglichen Level spielen. Rehhagel wird wohl auf Georgios Samaras (25) von Celtic Glasgow und Dimitris Salpingidis (28) setzen. Letzterer ist eine echte Tormaschine, mit einem Karrierekonto von annähernd 200 Pflichtspieltoren - nur ausgerechnet 2009/10 geriet er ins Stottern: Nur fünf Saisontreffer für Panathinaikos.

Meine Einschätzung: Griechenland ist für mich ganz klar das schwächste Team in Gruppe B. Zwar gäbe es ein paar gute junge Spieler, wie Panathinaikos-Mittelfeldspieler Sotirios Ninis (21), nur denke ich, dass Rehhagel vorrangig auf Routine setzen wird. Und das könnte mächtig in die Hose gehen. Mein zusätzlicher Tipp ist, dass Griechenland mindestens einmal, vermutlich gegen Argentinien, so richtig zum Abschuss freigegeben wird ;)

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