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Plakatieren statt kicken!

28.05.2010 | Keine Kommentare

Die meisten Nachwuchsspieler werden von ihren Eltern zum Training gebracht, oder bekommen ihren letzten Schliff in modernen Trainingsakademien. Andere wiederum haben einen weitaus steinigeren Weg hinter sich und wissen es nun umso mehr zu schätzen, dass sie dem besten Beruf der Welt nachgehen dürfen!

Die ausführliche Spielerinfo findest du hier.

In die zweite Kategorie fällt Red Bull Salzburg-Neuzugang Gonzalo Eulogio Zarate, denn der argentinische Offensiv-Allrounder wusste lange Zeit nicht, ob er sich ein Leben als Fußballstar überhaupt leisten wird können. Zarate wuchs mit sechs Brüdern in einer Vorstadt von Rosario auf, die für ihre hohe Kriminalität bekannt ist. Sein Vater ließ die Familie im Stich, sodass seine Mutter alleine für alle Kinder sorgen musste. Zarate spielte die meiste Zeit mit seinen Freunden Fußball und entging nach eigenen Aussagen so der Kriminalität. Als Jugendlicher spielte er im Nachwuchs von CA Lanús, also bei jenem Verein, bei dem auch der ehemalige Red Bull Salzburg-Spieler Ezequiel Carboni sein Handwerk erlernte. Ohne jemals in der Kampfmannschaft gespielt zu haben, wechselte er zu Tiro Federal, wo er ebenfalls nur in der Reservemannschaft zum Zug kam. Seine ersten Einsätze bekam der starke Linksfuß erst nach seinem Wechsel zu Polideportivo San José, einem Verein, der in der zweithöchsten Spielklasse Argentiniens beheimatet ist. Von diesem Klub schaffte Zarate den Sprung über den großen Teich, als er im Juli 2007 beim SC Kriens in der Schweiz unterschrieb.

Geld verdienen, statt Fußball spielen

Viele werden sich jetzt fragen, wieso sich ein so talentierter Spieler nicht in der obersten Spielklasse in Argentinien durchsetzen konnte? Die Antwort ist relativ einfach, denn Zarate konnte sich lange nicht nur auf das Fußballspielen konzentrieren. Mit 18 Jahren, als er noch im Nachwuchs von Lanus stand, bekam er eine Tochter und Zarate wollte es unbedingt besser als sein eigener Vater machen. Da er als Nachwuchsspieler zu wenig Geld verdiente um seine Tochter zu ernähren und seine Freundin zu unterstützen, arbeitete er nebenbei in der Firma seines Bruders und hängte Werbeplakate auf. Dieser Job war anstrengend und so zeitintensiv, dass er über Strecken das Fußballspielen ruhen ließ. In dieser Zeit schlug er sogar ein Angebot aus dem Nachwuchs von River Plate aus, da er unbedingt unmittelbar Geld brauchte und sich das Fußballspielen allein nicht leisten konnte.

Der Durchbruch in der Schweiz

Beim SC Kriens zeigte Zarate sein wahres Potential und schoss in seinen ersten fünf Einsätzen ebenso viele Treffer. Grashoppers Club Zürich schlug nach diesen Galavorstellungen sofort zu und verpflichtete den Stürmer, der am liebsten als hängende Spitze aufläuft. Zarate konnte sich bei seinem neuen Klub nicht von Beginn an durchsetzen, da einerseits das Niveau ungewohnt hoch war und andererseits eine Verletzung den dribbelstarken Südamerikaner zurückwarf. Erst Anfang 2009 entsprach er endlich den hohen Erwartungen und zählte seit diesem Zeitpunkt immer zu den besten Spielern in der Super League. Vergangene Saison erzielte er für seinen Verein 14 Meisterschaftstore und konnte sich zudem neun Assists gutschreiben lassen. In erster Linie wird Red Bull Salzburg von seiner Vielseitigkeit profitieren, denn Zarate ist universell einsetzbar und kann in der Offensive jede Position spielen. Der technisch starke Argentinier ist zwar beidbeinig, jedoch gilt sein linker Fuß als seine stärkste Waffe, weshalb er in Südamerika von seinen Mitspielern auch „El Zurdo“ (der Linksfüsser) gerufen wurde. Zarate hat einen sehr guten Zug zum Tor, arbeitet viel und schießt gute Freistöße. Kritiker werfen ihm jedoch vor, dass er manchmal komplett untertaucht, besonders wenn ihm zu Beginn nicht viel gelingt und das Spiel an ihm vorbei läuft. Obwohl er keine internationale Erfahrung vorweisen kann, hat Red Bull Salzburg einen guten Transfer getätigt, da Zarate ohne Zweifel ein bodenständiger, sympathischer Typ ist, der viel Potential nach oben hat.

© Stefan Karger – www.austriansoccerboard.at

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