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Zuerst Gott, dann Mourinho

24.05.2010 | Keine Kommentare

Er ist schon ein verrückter Typ, dieser José Mourinho. Einmal sagte er in einem Interview, dass auf seiner - klarerweise selbst krierten - Prioritätenskala des Universums zuerst Gott komme, dann er selbst und dann lange nichts. Wenn der 47jährige Portugiese seine Erfolgsserie der letzten zehn Jahre, in denen er Cheftrainer bei Fußballklubs war, prolongieren kann, liegt er vielleicht gar nicht so falsch damit.

Mourinho ist der Sohn eines Torhüters, war aber selbst nie Profifußballer. Über Engagements in der zweiten portugiesischen Liga kam der Fußballlehrer aus Setúbal nie hinaus. Anfang der Neunziger fungierte er als Co-Trainer bei verschiedenen portugiesischen Klubs, saß zum Beispiel als Dolmetscher auf der Bank, als Rapid Sporting Lissabon im Europacup der Pokalsieger 1995/96 mit 4:0 nach Verlängerung aus dem Bewerb schoss. Kurz danach holte Bobby Robson Mourinho nach Barcelona nach. In der Mittelmeermetropole lernte Mourinho katalanisch und setzte erstmals seinen Fuß in die Tür der großen, weiten Fußballwelt.

10 Jahre Chef

Erst vor zehn Jahren, im Sommer 2000, trat Mourinho seine erste Stelle als Cheftrainer an. Bei Benfica Lissabon blieb er aber nach einem Zwist mit dem neuen Clubpräsidenten nur neun Spiele lang. Danach führte er jedoch den kleinen Klub União Leiria bis auf Platz 5 der portugiesischen Liga und machte sich in Portugal einen Namen. Es folgte der Wechsel zum FC Porto und was dann folgte ist Geschichte. UEFA-Cup-Sieg 2003, Champions-League-Sieg 2004, die darauffolgenden beiden Jahre jeweils Meister mit seinem neuen Klub, dem FC Chelsea.

Grande Inter ist zurück

Nach Ernst Happel und Othmar Hitzfeld ist Jose Mourinho seit letzter Woche der dritte Trainer, der die Champions League oder den Landesmeisterpokal mit zwei verschiedenen Klubs gewinnen konnte. Es ist schwer nach derartigen Erfolgen eine weitere Sprosse auf der Karriereleiter nach oben zu machen, doch der exzentrische Portugiese legt eben immer noch einen drauf. Kaum machte er Inter Mailand nach vielen Jahrzehnten zum Größten, was Europas Klubfußball zu bieten hat, liebäugelt der König unter den Trainern mit den “Königlichen”. Sein Kontakt mit den Spaniern sah in der Öffentlichkeit weniger wie ein Angebot aus, sondern eher wie ein Bewerbungsschreiben. Der beste Trainer der Welt will zum wohl erfolgreichsten Klub der Welt. Das passt doch zusammen, wieso sollten sie also nein sagen? Mourinho ist gewiss der einzige Mensch, der sich selbst jedem Klub anbieten kann, den er will und die meisten werden die kolportierten 14 Millionen Euro Jahresgehalt (inklusive Werbegagen) noch aufstocken. Für einen relativ jungen Trainer, der vor knapp acht Jahren noch in Leiria an der Seitenlinie herumzappelte, sich aber in den darauffolgenden Jahren wohlbeschützt von seinen Riesenerfolgen auf eindrucksvolle Weise selbstdarstellte. Wäre er Zeit seiner Trainerkarriere still, leise, bescheiden und ohne die kleinen Skandale geblieben, würde ihn heute nicht jeder Klub der Welt mit Handkuss aufnehmen. Gute Selbstvermarktung ist also auch oder gerade für Trainer ein wichtiger Faktor auf dem Weg nach oben…

(c) Daniel Mandl - www.austriansoccerboard.at

LINKS:

Diskussion zum Champions-League-Finale 2010: http://www.austriansoccerboard.at/index.php/topic/74951-cl-finale/

Vereinsthread: Inter Mailand - http://www.austriansoccerboard.at/index.php/topic/34687-inter-mailand/page__st__315

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