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Quo vadis, ÖFB?

20.05.2010 | Keine Kommentare

Auch die stark ersatzgeschwächte Mannschaft von Kroatien war für das österreichische Nationalteam gestern Abend in Klagenfurt um mindestens eine Nummer zu groß. Nur gut, dass wir den Gegentreffer im Finish erhalten haben, denn so kann wenigstens niemand von einer taktischen Meisterleistung sprechen.

Selbst der überaus diplomatische kroatische Coach Slaven Bilic, der im Vorfeld dieser Partie dem Team von Didi Constantini zahlreiche Komplimente machte, stellte nach dem Spiel fest, dass die österreichische Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2008 seiner Truppe mehr Kopfschmerzen bereitete und insgesamt auch stärker und erfahrener war. Er führte weiter aus, dass die österreichische Auswahl noch jung sei und Potential nach oben habe. Da ging aber wieder einmal der Diplomat mit dem Hobby-Gitarristen und Heavy-Metal-Fan durch, denn so jung war unser Team leider nicht. Didi Constantinis Truppe hatte ein Durchschnittsalter von knapp 25 Jahren, die Mannschaft der Kroaten war im Schnitt nur ein Jahr älter. Der Altersunterschied kann also nicht die Ursache für diesen eklatanten Niveaunterschied gewesen sein.

Das Spiel über die Flügel

Viele Fans freuten sich auf tolle Flankenläufe des österreichischen Teams, als sie die auf den ersten Blick offensiv wirkende Aufstellung des österreichischen Teams erblickten. Korkmaz und Harnik sollten Janko mit zahlreichen Flanken füttern und den kroatischen Spielern auf den Außenbahnen um die Ohren laufen. Zumindest Korkmaz übertraf die in ihn gesetzten Erwartungen, denn der blitzschnelle Frankfurt-Legionär war nach Macho der beste Österreicher am Platz. Allerdings wurden beide Spieler von ihren Hintermännern im Stich gelassen. Fuchs erwischte auf der linken Abwehrseite einen rabenschwarzen Tag, war in der Defensive mit Mario Mandzukic ständig überfordert und brachte auch nach vorne keine Entlastung. Prödl wiederum stand wenigstens in der Abwehr recht sicher, konnte aber Harnik in keinster Weise im Spiel nach vorne unterstützen. Prödl gehört für mich einfach in die Innenverteidigung, auch wenn er bei Werder Bremen aus Personalgründen manchmal ebenfalls auf der Außenbahn zum Zug kommt. Wenn wir schon bei falschen Positionen sind, dann muss man auch Harnik erwähnen, der in den letzten Monaten eindrucksvoll bewiesen hat, dass er in den Sturm und nicht in das Mittelfeld gehört. Im Gegensatz zu Österreich zeigten uns die Kroaten auf eindrucksvolle Weise, wie man ein modernes Flügelspiel aufzieht. Es war ein Genuss den beiden Außenverteidigern Strinic und Srna zuzusehen, die einen großen Anteil daran hatten, dass sich ihre Vorderleute Modric und Mandzukic so gut entfalten konnten.

Wie geht es jetzt weiter?

Die einzige positive Erkenntnis aus dem Spiel ist, dass wir jetzt wissen wer bei der EM-Qualifikation im Tor stehen muss. Ohne Jürgen Macho wäre es gestern Abend auch vom Ergebnis her ganz bitter geworden. Natürlich darf man auch gegen ersatzgeschwächte Kroaten ein Heimspiel verlieren, aber die Art und Weise, wie sich das Team über die 90 Minuten präsentiert hat, beschert mir doch ein wenig Angst vor der Zukunft. Das Umschalten von der Defensive in die Offensive war eine Katastrophe, die Mitspieler haben sich bei Ballbesitz zu wenig bewegt und in der Mittelfeldzentrale waren wir eigentlich so gut wie nicht vorhanden. Auch bei den Fans im Austrian Soccer Board macht sich allmählich eine gewisse Resignation breit, da viele das Gefühl haben, dass seit 15 Jahren versucht wird eine Mannschaft aufzubauen, aber noch immer kein klares Konzept, keine klare Linie, keine klare Taktik vorhanden ist. Quo vadis, ÖFB?

© Stefan Karger

LINKS:

Austrian Soccer Board - www.austriansoccerboard.at
ÖFB-Team - http://www.austriansoccerboard.at/index.php/forum/100-oefb-team/
Nachbesprechung Österreich-Kroatien - http://www.austriansoccerboard.at/index.php/topic/75534-oesterreich-kroatien-01/

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