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Helden von damals, Helden von heute

15.05.2010 | Keine Kommentare

Der heimliche Torschützenkönig der Saison 2009/10 heißt Nikica Jelavic. In der Torschützenliste liegen nur Roman Wallner und Steffen Hofmann vor dem Kroaten, mit Marc Janko ist der Top-Torjäger des letzten Jahres gleichauf mit Jelavic. Aber im Gegensatz zu den anderen Goalgettern aus dieser Liste, schoss Jelavic keinen einzigen Elfmeter, erzielte alle 18 Saisontore aus dem Spiel heraus. Einer der in diesem Ranking auch gerne mitgemischt hätte, steht bei den Fans, die ihn vor wenigen Monaten noch feierten auf dem Abstellgleis: Rubin Okotie konnte seine Enttäuschung nur schwer verbergen, als er bei seiner offiziellen Verabschiedung nach dem Ried-Heimspiel von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde…

Er ist 24 Jahre alt, frischgebackener Teamspieler Kroatiens und der “kompletteste” Rapid-Stürmer seit Hans Krankl. Nikica Jelavic kann fast alles, ist technisch stark und gut im Zweikampf, schnell auf den ersten Metern, ausdauernd, torgefährlich. Kein anderer Stürmer spielte den Part des Stürmers, der vorne die Bälle reinhaut und auch die Defensivarbeit nicht vernachlässigt, so gut wie Jelavic. Die Klasse, die er beispielsweise bei der Ballannahme, -behauptung und Weiterverarbeitung unter schwierigen Bedingungen, nicht selten 30 - 40 Meter vor dem gegnerischen Tor mit dem Rücken zu Ziel und Gegenspieler, an den Tag legt, sucht ihresgleichen. Und auch in den Notizbüchern europäischer Spitzenklubs ist Jelavic kein unbekannter Name mehr: Tore gegen Aston Villa, Celtic Glasgow, den HSV… Visitenkarten, die Scouts länger im Gedächtnis bleiben, als Doppelpacks gegen Wr.Neustadt, den LASK oder Kapfenberg (was “Jela” in der laufenden Saison auch schon schaffte).

Rekordsumme vorweggenommen

Inklusive Cup und Europacup erzielte Jelavic in der Saison 2009/10 27 Tore für seinen Hütteldorfer Arbeitgeber. Insgesamt bringt der bullige Angreifer es auf 34 Pflichtspieltore für Rapid. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass das 4:1 gegen Sturm Graz sein vorerst letztes Tor für Rapid war. Die Verantwortlichen machen keinen Hehl daraus, dass Jelavic ein begehrter Spieler ist. Jelavic betont zwar seine Verbundenheit zu Rapid, ist jedoch längst auf dem Level eine weitere Stufe nach oben zu steigen. Fest steht wohl, dass die Ablösesumme für den Kroaten, der noch zwei Jahre Vertrag bei Rapid hat, die bisherigen Rekorde sprengen wird. Kolportiert werden zur Zeit sechs bis zehn Millionen, die man berappen müsste, um Jelavic aus seinem Vertrag zu kaufen. Hoch angesetzt, aber dennoch nicht unwahrscheinlich, wenn man das Steigerungspotential und die letzte Saison des Angreifers bedenkt. Saniert ist Rapid bereits seit der vergangenen Sommertransferzeit, jetzt ist der Weg frei für’s Auffüllen der “hohen Kante”. Auch wenn Jelavics Ex-Klub Zulte Waregem am Transferkuchen mitnaschen wird, kann Rapid alleine durch einen möglichen Jelavic-Verkauf auf dem Transfermarkt aktiv werden und wohl zusätzlich zu einem Jelavic-Nachfolger, einen solchen für Boskovic verpflichten (oder die Gehaltsforderungen des immens wichtigen Montenegriners doch noch erfüllen - besser spät als nie). Die Rapid-Fans feiern Jelavic jedenfalls wie einen Helden und anders als bei anderen Spielern, versuchen die Fans erst gar nicht ihn von einer Dauerkarriere bei Rapid zu überzeugen. Die meisten wissen selbst, welch überragenden Fußballer sie in ihm haben und wie weit die Tore in die große Fußballwelt für ihn offen stehen.

Pfiffe der Fans, Kopfschütteln beim scheidenden Helden

Auf dem Weg zum Heldenstatus verletzte sich an einem anderen Ende Wiens Rubin Okotie schwer. Der 3:2-Erfolg gegen Metalurg Donetsk, bei dem er selbst einen Treffer beisteuerte, war das letzte Spiel des vierfachen Teamspielers für den FK Austria Wien. Damals schrieben wir den 27.August 2009. Die langwierige und schmerzhafte Knorpelverletzung im Knie, warf Okotie in der besten Phase seiner Karriere zurück auf den Boden der Realität. In den sechs Wochen vor seiner Verletzung erzielte er sechs Tore und auch der eine oder andere Klub aus dem Ausland bekundete vorsichtig erstes Interesse. Dass er nach diesem Rückschlag gar nie wieder für die Austria spielen würde, dachte sich bis vor kurzem niemand. Okotie schweigt über seine Zukunft, aber die Fans haben die böse Vorahnung, dass sie ihn in der Saison 2010/11 wiedersehen werden - als Gegner. Für diese unbestätigte Vorahnung erntete Okotie bei seiner Verabschiedung vor dem Spiel gegen die SV Ried ein gellendes Pfeifkonzert der Austria-Anhänger. Nicht alle machten mit, aber genug, dass Okotie die allgemeine Enttäuschung schmerzhaft zu spüren bekam. Er hatte für die Reaktionen der Fans nur ein resignierendes Kopfschütteln übrig. Den Tränen nahe und voller Unverständnis über diese Undankbarkeit nach 25 Pflichtspieltoren in knappen 20 Monaten zog er Sekunden nach der Ehrung wieder von dannen und wollte keine Minute zu lang im Mittelpunkt des Fanärgers verbringen. Okotie zahlte einen emotional hohen Preis, weil er sich nie klar für oder gegen etwas deklarierte.

Wechsel nach Salzburg “logisch”

Okotie musste sich Monate lang einer umfangreichen Behandlung unterziehen, um bald wieder fit zu werden. Ein durchaus teures Unterfangen, übernommen von der Versicherung. Die Entscheidung am Verhandlungstisch fiel recht spät, Okoties Forderungen sollen denen nahe gekommen sein, die Rapid seinem Topverdiener Steffen Hofmann Monate zuvor erfüllte. Die Relation passt da freilich nicht. Okotie fiel in den Monaten seiner Verletzung auch eher als Adabei auf, stolzierte durch Wiens In-Lokale und deklarierte sich nie klar für oder gegen etwas. Nach eigenen Angaben scheiterte die verpasste Vertragsverlängerung nicht an finanziellen, sondern an menschlichen Gründen. Es ist jedoch ganz logisch, dass Okotie seinen Vertrag bei der Austria auch deshalb nicht verlängerte, weil er einen neuen Klub in der Hinterhand hat. Und spätestens hier hinkt das Statement mit den “menschlichen Gründen”. Die Austria hätte ihren jahrelangen Ziehsohn auch nach seiner Verletzung behutsam wiederaufgebaut und ihm keine Steine in den Weg gelegt, wenn tatsächlich mal ein konkretes Angebot aus dem Ausland da gewesen wäre. Dass Okotie bei einem ausländischen Klub in der Warteschleife hängt ist eher unwahrscheinlich, zumal er jetzt über acht Monate verletzt war und offensichtlich hohe Gehaltsforderungen stellt. Es passt im Grunde alles zusammen - Okotie wird nach Salzburg wechseln. Der Meister ist sich noch nicht im Klaren darüber, ob Wallners Option gezogen werden soll, Marc Janko ist nach 63 Toren in Meisterschaft und Europacup in den letzten beiden Jahren endlich reif für einen Auslandstransfer, Nelisse wird abgegeben, mit Zickler wird nicht weiter geplant. Okotie passt perfekt ins Konzept der “roten Bullen”, seine eigene Geheimnistuerei in Medien und Internet (auf Facebook bat er sinngemäß um Verständnis, egal wie seine Entscheidung ausfallen würde - so eine Aussage tätigt man nicht, wenn man ins Ausland wechselt) verrät seine Entscheidung. Und sollte ich mich nicht irren was die Cause “Okotie und Salzburg” angeht, kann er niemandem erzählen, dass der Transfer von seinem Herzensklub zum Ligakrösus keine finanziellen Gründe hat. Der Transfer an sich wäre für die meisten Fans kein Problem, immerhin hat ein Fußballer maximal 20 Jahre Zeit gutes Geld zu verdienen. Aber die Art und Weise, wie Rubin im Vorfeld herumeierte, nie letztere in die Hände nahm und sagte, was Sache ist… das nehmen die Fans ihrem ehemaligen Liebling übel.

(c) Daniel Mandl - www.austriansoccerboard.at

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