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Profischiris für Profikicker

01.04.2010 | Keine Kommentare

Das Wiener Derby, genauer gesagt die Schiedsrichterentscheidungen in selbigem, erhitzten einmal mehr die Gemüter der Fans. Nur wenige Tage später gab es erneut dubiose Pfiffe und die Männer in schwarz (oder gelb) bleiben in der Schusslinie. Aber was soll man dagegen machen?

Linienrichter Alain Hoxha entschied das 298.Wiener Derby. Er sah ein vermeintliches Foul von Jacek Bak an Mario Konrad im Strafraum der Wiener Austria, der Schiedsrichter vertraute seinem Kollegen und entschied auf Elfmeter, den Steffen Hofmann schließlich verwandelte. Das Geschrei nach dem prinzipiell regelkonformen, aber sehr harten Pfiff war laut. Medien schossen sich auf die Schiedsrichter ein, Fans der Wiener Austria fühlen sich mehr benachteiligt denn je, das Wort “Mafia” fiel nicht nur einmal. Doch nach der darauffolgenden Bundesligarunde wurden die Rufe nach besseren Schiedsrichtern nicht leiser, denn wieder mischte sich ein Linienrichter ins Geschehen ein. Diesmal in Klagenfurt, erneut mit Rapid-Beteiligung. Nur dass der darauffolgende Elfmeterpfiff wegen eines angeblichen Handspiels von Daniel Gramann völliger Blödsinn war.

Wir brauchen Profis

Im Fußballsport geht es um sehr viel Geld und Prestige. Für manche Fans hat der Sport gar einen höheren Stellenwert als Familie oder Freunde. Die Spieler der österreichischen Bundesliga, die hier eher als mikriges Beispiel herhält, zumal es in größeren Ligen oder der Champions League noch um viel mehr geht, sind Profis. Die Herren, die über zentrale Situationen des Spiels entscheiden jedoch nicht. Bankangestellte, Berufssoldaten, Versicherungsvertreter. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass so mancher Schieds- oder Linienrichter Probleme in seinem “Tagesjob” hat, womöglich sogar selbständig ist und geschäftlich vor dem Ruin steht. Und genauso wie Fußballer private Probleme mit auf den Fußballplatz nehmen können, kann das auch den Offiziellen passieren. Nur dass man die nicht einfach nach einer Stunde auswechseln kann, nur weil sie die eine oder andere Fehlentscheidung trafen. Ich wage zu behaupten, dass sogar ein großer Teil der Schiedsrichter nicht mit freiem Kopf in Profipartien geht. Was dabei herauskommt, sah man in letzter Zeit nicht selten - in Wahrheit sehen wir es aber schon seit vielen Jahrzehnten weltweit, Woche für Woche, Tag für Tag.

Akademien müssen her!

Tausende von hoffnungsvollen Jugendspielern werden weltweit ausgebildet. Bereits in jungen Jahren winkt das große Geld und die glamouröse Fußballbühne. Milliarden Euro und Dollar werden jedes Jahr in die Ausbildung der besten Fußballer investiert. Doch obwohl das Schiedsrichterwesen genauso zum Sport gehört und für Sekundenbruchteile an jedem Wochenende wichtiger ist, als das Können der Fußballer, hinkt diese Disziplin nach. Es muss möglich sein den Schiedsrichterberuf attraktiver zu machen. Die Karriere eines Schiedsrichters muss jedoch tatsächlich zu einer solchen gemacht werden können - nicht zu der eines Versicherungsvertreters, der am Wochenende Spiele pfeift. Wir brauchen nicht nur in Österreich, sondern weltweit, Akademien für Profi-Referees. Die Unparteiischen müssen körperlich und mental absolut top sein, dazu idealerweise vier Sprachen oder mehr sprechen, um mit möglichst vielen Spielern kommunizieren zu können. Und weil Geld die Welt regiert, steckt hinter alldem auch kein Non-Profit-Gedanke, denn immerhin könnte man heimische Profischiris mit guten Sprachkenntnissen und der besten Einstellung zum Beruf genauso in die größten Ligen der Welt transferieren, wie man es mit den besten Fußballern schon seit einer gefühlten Ewigkeit macht. Um teures Geld. Immerhin wird auch die englische Premier League oder die spanische Primera División daran interessiert sein, die besten Offiziellen der Welt in ihren Topspielen einsetzen zu dürfen. Was fehlt ist ein Pionier mit einem Konzept, aber glücklicherweise bin ich wohl nicht der Einzige mit einer solchen Idee und je mehr Geld auf der internationalen Fußballbühne in Umlauf gebracht wird, desto höher sind die Chancen, dass auch Schiedsrichter bald professioneller auftreten, pfeifen und ihren Karrieren bis dato ungeahnte Perspektiven geben können.

(c) Dannyo | http://www.austriansoccerbo…

LINKS:
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Die Wege des Bernhard Brugger

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