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Im Rahmen der Regeln

16.03.2010 | Keine Kommentare

Das 292.Wiener Derby bescherte Rapid einen Sieg, der Austria einige heisere Spieler und Funktionäre und mir sehr viel Arbeit - denn ich war derjenige, der an die 70 Postings im Austrian Soccer Board editieren musste, weil sie die Gürtellinie nur von unten sahen.

Hitzige Diskussionen gab es im Austrian Soccer Board schon immer. Bereits vor neun Jahren, als das größte Fußballforum Österreichs gegründet wurde. Aber selten gingen die Wogen so hoch wie nach Rapids 2:0-Heimerfolg im 292.Wiener Derby. Der Hass der Austria-Fans richtet sich gegen Linienrichter Alain Hoxha, der sich vor dem Elfmeter, der zum 1:0 durch Rapid-Kapitän Steffen Hofmann führte, entscheidend einmischte. Hoxha machte den Schiedsrichter auf einen Ellbogen/Schulter-Check des Austria-Abwehrchefs Jacek Bak an Rapids Mario Konrad aufmerksam. Schiedsrichter Grobelnik entschied gutgläubig auf Elfmeter, was wiederum Austria-Coach Daxbacher ärgerte, zumal dieser ihm Schwäche vorwarf.

Die strikten Talente

Dieser Vorwurf ist wohl der Treffendste. Ein starker Schiedsrichter hätte sich zwar die Meinung seines Assistenten anhören, aber nicht “automatisch” auf Elfmeter entscheiden müssen. Mehr zu sagen hat zweifelsohne der Schiedsrichter. Dass ein Pierluigi Collina blind auf einen Elfer entschieden hätte, weil sein Assistent es ihm quasi auftrug, wäre wohl undenkbar gewesen. Fakt ist aber, dass gute Schiedsrichter daran gemessen werden, wie genau und strikt sie das von der FIFA vorgegebene Regelwerk exekutieren. So gelten Ordnungsfanatiker, für die Fingerspitzengefühl meist ein Fremdwort ist - ich denke dabei vorallem an Offizielle wie Thomas Einwaller oder den glücklicherweise pensionierten Konrad Plautz - als die größten “Schiedsrichtertalente” und erfreuen sich hoher Reputation beim Weltverband und bei der UEFA. Irgendwie eine zweifelhafte Ehre. Aber auch wieder ein klassisches Beispiel für das, was beim Derby in Minute 67 passierte. Denn der Elferpfiff des Schiedsrichters war durchaus regelkonform.

Hart aber im Rahmen der Regeln

Dass der Efferpfiff sehr hart war, darüber sind sich wohl alle einig. Hierzu ein Auszug aus dem Regelwerk des Fußballsports:

Ein Spieler verursacht einen direkten Freistoss für das gegnerische Team, wenn er eines der nachfolgend aufgeführten sieben Vergehen nach Einschätzung des Schiedsrichters fahrlässig, rücksichtslos oder mit unverhältnismässigem Körpereinsatz begeht:

• einen Gegner tritt oder versucht, ihn zu treten,
• einem Gegner das Bein stellt oder es versucht,
• einen Gegner anspringt,
• einen Gegner rempelt,
• einen Gegner schlägt oder versucht, ihn zu schlagen,

• einen Gegner stösst,
• einen Gegner bedrängt.

Dazu ergänzend, der Auszug des Regelwerks, wie sich das im Falle eines möglichen Strafstoßes, vulgo Elfmeter, verhält:

Begeht ein Spieler des verteidigenden Teams eines der genannten zehn
Vergehen im eigenen Strafraum, ist dies durch einen Strafstoss zu ahnden, vorausgesetzt, der Ball war im Spiel. Dabei ist unerheblich, wo sich der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens befand.

Und genau das ist beim Derby passiert. Jacek Bak - Gott weiß, welcher Teufel ihn da geritten hat - hatte die Absicht Mario Konrad mit Ellbogen oder Schulter zu treffen. Er hat versucht seinen Gegenspieler zu schlagen, wie es im Regelwerk aufgeführt ist. Das Ganze passierte im Strafraum und laut Regulativ darf man keine Unterschiede machen, in welchem Spiel, zu welchem Zeitpunkt oder wo auf dem Spielfeld die Situation stattfindet. Ausreden wie “Das kann er doch in einem Derby nicht pfeifen” oder “Wegen sowas kannst ja keinen Elfer geben” fallen erneut in die Kategorie “Fingerspitzengefühl”, sind jedoch nicht durch’s Regelwerk zu decken. Und eben diese strikte Durchsetzung eines unangenehmen Regelwerks ist auch der Grund dafür, dass die Entscheidung von Schieds- und Linienrichter vom Schiedsrichter-Obmann und anderen Schiedsrichtern gedeckt und von einem Haufen ehemaliger und aktueller Spieler verurteilt wird. Schiris und Kicker sind zwei paar Leut’, aber der einsame Mann mit der Pfeife sitzt am längeren Ast.

Dummheiten zum Nachdenken

Die größte Dummheit in der angesprochenen Situation fabrizierte jedoch Jacek Bak. Er musste Konrad nicht foulen, er musste ihn nicht mal annähernd daran hindern zum Ball zu kommen. Konrad hätte aus der Situation so oder so kein Kapital geschlagen. Nicht die erste Derbydummheit des routinierten Polen, der bereits im letzten Derby einen Freistoß verschuldete, den Hofmann reinhaute und Bak die rote Karte wegen Torraubs bescherte. Noch ein paar Derbies zuvor verlor er am Flügel gegen Hofmann leichtfertig den Ball, was zum entscheidenden Tor durch Branko Boskovic führte. Den Vogel schoss dennoch Milenko Acimovic ab. Wut im Bauch, Frust über Schiedsrichterentscheidungen, Derbyemotionen hin oder her - es darf nicht sein, dass ein Routinier in der 91.Minute einer verlorenen Partie so austickt, dass er den Schiedsrichterassistenten dermaßen derb schimpft und dafür zwei Spiele Sperre ausfasst. Die Fans der Wiener Austria verteidigen Acimovics Ausraster, weil er ihnen aus der Seele “sprach”. Aber gescheit waren die Schimpftiraden gegen Alain Hoxha trotzdem nicht. Wie gesagt: Er sitzt am längeren Ast.

(c) Daniel Mandl - http://www.austriansoccerbo…

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Derby-Nachlese aus Sicht der Rapid-Fans
Derby-Nachlese aus Sicht der Austria-Fans

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